Das ­Gesundheitssystem hat seinen Preis

„Man versucht zu sparen, anstatt die wahren Pro­bleme und Kostentreiber anzugehen.“

Zunächst sollten wir uns darüber klar werden, welches Gesundheitssystem wir in Österreich haben wollen: Wollen wir ein System, das jedem nur eine Grundversorgung garantiert, oder wollen wir ein System, das für sämtliche Leistungen in der medizinischen Versorgung aufkommt? Für ­welches Modell wir uns auch entscheiden, jedes hat seinen Preis. Dem Euro-Health-Consumer-Index (EHCI) 2007 zufolge verfügt Österreich über das konsumentenfreundlichste Gesundheitssystem Europas – dank seinem guten Zugang und hervorragenden Heil­erfolgen. Natürlich ist eine medizinische Versorgung auf einem derartigen Niveau nicht billig. Trotzdem wäre die Finanzierung kein Problem. Es ist genug Geld im System. Nur steckt es zum Teil in völlig ineffizienten Strukturen. So ortete der Rechnungshof allein im Spitalsbereich ein Effizienzpotenzial von 2,9 Mil­liarden Euro. Auch bei den Krankenkassen gibt es Potenzial: Allein bei der maroden Wiener Gebietskrankenkasse könnten dem Rechnungshof zufolge rund 80 Millionen Euro eingespart werden. Insgesamt ist unser Gesundheitssystem zu föderalistisch organisiert. Hierzulande gibt es 22 Sozialversicherungsträger für gerade einmal acht Millionen Österreicher. Eine Studie von Roland Berger identifizierte rund 4.000 Finanzströme im Gesundheitswesen. Teilweise wissen die Kassen gar nicht, wo­hin ihre Gelder fließen. Hier gäbe es dringenden Reformbedarf.

Leider weigert sich die Politik aus Angst vor Popularitätsverlust bis heute, die notwendigen Strukturmaßnahmen in die Wege zu leiten. Gleichzeitig versucht man an allen Ecken und Enden zu sparen, anstatt die wahren Probleme und Kostentreiber an­zu­gehen. Aufgrund der demografischen Entwicklung in Österreich ist zu erwarten, dass die Kosten für die medizinische Versorgung auf dem jetzigen ausgezeichneten Niveau weiter steigen. Wenn wir weiterhin das beste Gesundheitssystem Europas behalten wollen, müssen wir nicht nur dafür zahlen, sondern die Politik muss auch die notwendigen Reformen anpacken. Tut sie das nicht, wird Gesundheit für die Bevölkerung in absehbarer Zeit zur Kostenfrage, und dann haben wir die vielfach prophe­zeite Zweiklassenmedizin. Irgendwann wird man sich entscheiden müssen.

Kommentar
Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

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