Das Geschäft mit den Sternen

Heinz Sundt und Jorgen Bang-Jensen können sich freuen: Ab Jahresbeginn stehen ihre Unternehmen unter einem guten Stern. Da wechselt nämlich Uranus ins Zeichen der Fische, und dieser Lichtjahre entfernt ablaufende Prozess bringt Bewegung in erstarrte Strukturen. Grenzen werden sich auflösen, eingefahrene Denkmuster brechen auf, unkonventionelle Lösungen fallen auf fruchtbaren Boden.

Unternehmen wie die Telekom Austria und One, die von Natur aus grenzüberschreitend agieren, bekommen dadurch astronomischen Aufwind. So steht es in den Sternen geschrieben, und die Telefonie-Bosse müssen nicht einmal an diese unkonventionelle Prognosemethode glauben, damit die Vorhersagen eintreffen. „Astrologie ist nichts, an das man glauben muss“, sagt der Wiener Astrologe Boro Petric. „Es ist eine Wissenschaft, genau wie Physik oder Chemie. Und daran muss ja auch keiner glauben.“

Die Sterne irren sich nie, nur die Astrologen. Diese Überzeugung hat der Vizepräsident der Österreichischen Astrologischen Gesellschaft (ÖAG) mit mehr als 1.000 Kollegen gemeinsam, die in Österreich im Geschäft mit den Sternen mitmischen und sich „Astrologen“ nennen. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, wer immer sich berufen fühlt und einen Gewerbeschein löst, kann seine Dienste als Deuter anbieten. Eine standardisierte Ausbildung gibt es hierzulande nicht – anders in Frankreich, Großbritannien oder Spanien, wo Astrologie als Universitätsstudium anerkannt ist – doch mehr als ein Dutzend astrologischer Institute buhlen mit Kursen und Lehrgängen um Schüler. Erfolgreichster Anbieter ist die „Wiener Schule für Astrologie“, wo derzeit rund 100 Wissensdurstige die dreijährige Ausbildung zum Astrologen absolvieren. Der Kurs kostet 876 Euro.

Die Produktion arbeitsloser Astrologen. „Astrologie ist ein sinnvolles Hobby, das einem ein angenehmes Zusatzeinkommen bescheren kann“, erklärt Schulleiter Peter Fraiss. „Die wenigsten meiner Schüler wollen daraus einen Beruf machen.“ Österreichs prominenteste Vertreterin der Astro-Szene sieht das anders. „Die Leute erwarten sich leicht verdientes Geld und glauben, dass diese Arbeit eine Gaudi ist“, so Gerda Rogers. „De facto finden sie aber viel zu wenig Klienten und versuchen Geschäfte zu machen, indem sie selbst Astrologen ausbilden.“ Dieses Phänomen beobachtet auch die RTL-Astrologin Antonia Langsdorf, die im Privatsender zweimal täglich Astro-Trends verkündet. „In Deutschland rittert eine Flut unterbeschäftigter Astrologen um Klienten. Wirklich gut leben kann man in dieser Szene aber nur, wenn man einschlägige Bücher schreibt, für die Medien Horoskope erstellt oder eben Kurse organisiert.“

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Uranus in den Fischen: Wirtschaftsprognosen - Die Vorschau der Wirtschaftsastrologen Brigitte Hueber und Boro Petric für 2004.
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