„Das deutsche Erfolgskonzept der WM lässt sich nicht über jedes Fußballereignis stülpen.“

Wer am Tag des entscheidenden Gruppenspiels gegen Deutschland durch Wien spaziert ist, fühlte sich in ein anderes Land versetzt. War das wirklich Österreich? Öffentliche Verkehrsmittel, Cafés, Postämter – alles voll mit Fans und Fahnen.

Jahrzehntelang hat der Fußball das Land nicht in so helle Aufregung versetzt wie bei den drei EM-Auftritten der ÖFB-Elf. Zumindest bei den Österreich-Spielen füllten sich auch die Fanzonen, was die finsteren Mienen der Standlbetreiber ein bisschen auf­hellte. Ansonsten konnte das UEFA-kontrollierte Geschäft in den Public-Viewing-Zonen die Erwartungen nicht erfüllen. Das deutsche Erfolgskonzept der WM 2006 lässt sich eben nicht über jedes Fußballgroßereignis stülpen. Neben dem maßlosen Überschreiten von Schmerzgrenzen bei der Preispolitik sind dafür auch fußballspezifische Mentalitätsunterschiede verantwortlich: Das Spiel hat in Deutschland eben einen noch viel größeren Stellenwert und das Nationalteam eine andere Qualität, was sich auch auf die Partylaune der Massen niederschlägt. Den Sicherheitsaspekt betreffend war die EM ein ­friedliches Fest. Trotz des medialen Tamtams verzeichnete die Wiener Polizei selbst am Tag des „Risikospiels“ Kroatien gegen die Türkei nur 51 fußballbezogene Straftaten, 42 davon Eigentumsdelikte. Auch wenn einzelne Fans aneinander ge­rieten, Krawalle sehen anders aus.

Nicht bedrohlich, aber bedenklich ist ein anderer Trend. Bei aller Liebe zur Ausgelassenheit: Muss sich der Fußballfan ­wirklich durch besonders abartige Kostüme auszeichnen? Bleibt die Frage nach der Nachhaltigkeit der Begeisterung. 2,2 Millionen Österreicher verfolgten das Deutschland-Spiel im ORF. Ob viele davon nun auch regelmäßig in die Bundesliga-Stadien kommen werden, bleibt abzuwarten. Zwar ist der Zu­schauerschnitt in der abgelaufenen Saison auf 9.200 Fans pro Match gestiegen, doch wenn sich der Duft des großen Fußballs verzogen hat, werden sich ­wieder Rapid, Altach und Kapfenberg gegenüberstehen. Das ist zwar auch Fußball, und manchmal sogar wirklich guter. Dem Eventfan dürfte es aber schwer fallen, sich dafür zu begeistern.

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