Das Duell um die Hofburg

Benita Ferrero-Waldner versus Heinz Fischer: ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit leichtem Startvorteil für den Kandidaten der SPÖ.

Es gibt viele Möglichkeiten, den innerparteilichen Status eines Politikers festzumachen. Die parlamentarischen Rednerlisten, die festlegen, wann wer sprechen darf, sind eine davon. Bestes Beispiel: die Neutralitätsdebatte diesen Mittwoch im Parlament. Erstredner der SPÖ war, entgegen allen Usancen, der Zweite Nationalratspräsident Heinz Fischer. Das Signal der Roten war klar: Heinz, geh du voran. Profilier dich zu außenpolitischen Themen, denn das wirst du bald brauchen, schließlich bist du unser Präsidentschaftskandidat. Bei der ÖVP entschied man anders: Erstredner war Kanzler Wolfgang Schüssel. Außenministerin Benita Ferrero-Waldner, obschon im europablauen Kostüm, durfte erst als vierte Schwarze ans Mikrofon. Die auch nicht viel subtilere Botschaft: Kann sein, dass du glaubst, Kandidatin zu sein – aber fix ist das noch lange nicht.

142 Tage sind es noch, bis am 25. April 2004 ein Nachfolger für Bundespräsident Thomas Klestil gewählt wird. Zeit genug – dennoch ist die Nervosität auf beiden Seiten groß. Die SPÖ möchte bei ihrer Neujahrstagung am 8. Jänner
in Wien Nationalratspräsident Heinz Fischer zum Kandidaten küren.

Der rote Staatsmann in spe ist jedenfalls schon seit Monaten im Wahlkampfeinsatz. Mal treibt er sich auf Wiener Weihnachtsmärkten herum, dann tourt er, für einen Nationalratspräsidenten reichlich ungewöhnlich, durch die Länder. Schon Ende August absolvierte Fischer, der nicht unbedingt als ärmelhochkrempelnder Held der Arbeiterklasse gilt, eine Nachtschicht am Voest-Hochofen.

Auch im Außenamt werden derzeit die Termine der Ministerin unter besonderer Berücksichtigung von Volksnähe und Sympathiefaktor ausgesucht. Ferrero besucht den Christkindlmarkt in Schönbrunn, geht zum Weißwurststand oder zum Bieranstich. Die zukünftige Hofburg-Herrin soll schließlich „sozial eine gewisse Wärme“ haben, wie Ferrero in der ORF-„Pressestunde“ am vergangenen Sonntag erklärte.

Doch während Fischer die Fotos seiner PR-Auftritte bereits an die Wahlkampfagentur der SPÖ verschicken kann, könnte Ferrero, mit ein bisschen Pech, die Schnappschüsse gerade mal ins Familienalbum kleben. Die „P-Frage“, also die Präsidentenfrage, ist in der ÖVP noch lange nicht entschieden. Im letzten Bundesparteivorstand – bei dem bis auf die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und ihren burgenländischen Kollegen Franz Steindl alle Landeshäuptlinge durch Abwesenheit glänzten – warnte Kanzler Schüssel einmal mehr geheimnisvoll: „Nichts ist fix.“ Erst im Parteivorstand am 15. Jänner wollen sich die schwarzen Granden ausschnapsen, wen sie ins Rennen um das höchste Amt im Staat schicken. Wenn überhaupt. Ein schwarzer Stratege: „Es spricht eigentlich nichts dagegen, erst Ende Jänner oder nach den Semesterferien zu entscheiden.“ Auch, wenn dann Fischer bereits fast zwei Monate auch offiziell Kandidat ist.

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trend Chefredakteur Andreas Lampl

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