Coverstory: Was wurde aus...? Was die Spitzenmanager der 90er heute treiben.

Der Mann hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Anfang der siebziger Jahre war er, als rechte Hand des Vizekanzlers, ganz nah an den Hebeln der Macht. Später lenkte Beppo Mauhart den Monopolbetrieb der Austria Tabak und baute das Unternehmen in dieser Zeit zu einem europaweit tätigen Konzern aus, inklusive Beteiligung an der Sportartikelgruppe HTM. Daneben wachte Mauhart als Präsident des Österreichischen Fußballbundes fast zwei Jahrzehnte lang über die Geschicke des heimischem Kickerwesens. Von Doris Gerstmeyer

Mauharts Abgang von der Austria Tabak im Jahr 1995 erfolgte nicht ganz friktionsfrei und schmerzt ihn gelegentlich noch. Aber Präsident bleibt Präsident. Der heute 72-Jährige, schlank, braun gebrannt, umtriebig und agil, blieb am Ball. Mauhart ist jetzt Vizepräsident eines Vereins, der die von Österreich und der Schweiz veranstaltete Fußball-EM EURO 2008 organisiert, und fungiert außerdem als Präsident eines Vereins zur Rettung des Wiener Künstlerhauses.

Auch Rudolf Streicher, 66, ehemaliger Amag- und Steyr-Chef, Verkehrsminister, SPÖ-Präsidentschaftskandidat und zuletzt Vorstand der ÖIAG, ist auch heute genug beschäftigt und „arbeitet relativ viel“. Streicher werkt in alter Frische und Emsigkeit als Aufsichtsratspräsident von Böhler-Uddeholm und kümmert sich um Steyr Motors, einen Produzenten von Spezialmotoren und Motorbooten, an dem er seit vier Jahren 50 Prozent der Anteile hält. Seine Liebe gehört der Musik. Der passionierte Hobbydirigent ist Präsident der Wiener Symphoniker.
Topmanager und Generaldirektoren sind gewöhnt an Macht und verwöhnt durch ihre Insignien. Dazu gehören ein Heer von Assistenten und Sekretärinnen, Dienstautos und Chauffeure, eben die Infrastruktur bedeutender Menschen. Ein Abgang aus derart abgehobenen Positionen wird meist als schmerzlich empfunden. Während der Durchschnittsösterreicher laut Umfragen nichts sehnlicher wünscht, als bald in Rente zu gehen, löst der Übertritt in die Pension bei Führungskräften gewöhnlich einen Schock aus, oft Depressionen. Für Angst sorgen eine gewisse innere Leere, der Schmerz, nicht mehr gebraucht zu werden, und nicht zuletzt auch gesellschaftliche Auswirkungen. Einladungen bleiben aus. Was für Freundschaft gehalten wurde, entpuppt sich als an die Position gekoppelte Beziehung, die wegbricht. „Viele verwechseln ihre Person mit der Position oder sehen gar keinen Unterschied“, konstatiert die Psychotherapeutin Ursula Kwauka. Dann leiden das Selbstwertgefühl und die Eitelkeit. Gesichtsverlust und Abstieg drohen. Die Workaholics von einst fürchten um ihren Status. Da ist auch die – meist sehr gute – finanzielle Absicherung kein Trost.

An diesem Zustandsbild hat sich nach Ansicht und Beobachtung von Christine Bauer-Jelinek, Wirtschaftscoach, jetzt doch einiges geändert. Es wird erfolgreich nach Auswegen und neuen Aufgaben gesucht, um die eigene Kreativität noch zu nützen. „Denn diese Menschen“, so Bauer-Jelinek, „sind ja nicht von heute auf morgen andere geworden. Sie sind ein gewisses Tempo gewöhnt, wollen gestalten und haben vor allem die lustvolle Form der Arbeit kennen gelernt. Dazu kommt, dass heutzutage 60- oder 70-Jährige viel vitaler und gesünder sind als vorige Generationen und durchaus noch vor Ideen strotzen.“

Die Auswege. Viele nützen daher ihre Chancen, sitzen in Aufsichtsräten und haben immer noch einen Fuß in der Tür zur Wirtschaft, wie der ehemalige Creditanstalt-Generaldirektor Guido Schmidt-Chiari, 73, der jetzt bei Constantia Packaging nach dem Rechten sieht. Oder Ex-Mayr-Melnhof-Vorstandschef Michael Gröller, 65, der in den MM-Aufsichtsrat wechselte: „Das ist überhaupt der beste Weg“, glaubt Gröller, „weil ich da meine Ideen weitergeben kann, ein tolles Netzwerk weiter zur Verfügung habe und interessante Leute treffe.“ Gröller, aktiv und fleißig, der als MM-Vorstandsvorsitzender der bestbezahlte Manager des Landes war, gründete darüber hinaus sein eigenes Geschäft als Immobilieninvestor. Dabei gilt sein Hauptaugenmerk Zinshäusern. Vor wenigen Monaten kaufte er etwa Karl-Philip Wlaschek jun. ein Zinshauspaket im Volumen von 160 Millionen Euro ab und ist stets auf der Suche nach neuen „Schnäppchen“. Zahlreiche Beteiligungen sind ebenfalls Bestandteil seines Portfolios. Gröller: „Als ich 2001 in Pension ging, hat meine Frau angedeutet, dass es ihr nicht recht wäre, wenn ich nur zuhause bin. Jetzt klagt sie, dass ich das nicht bin und so wenig Zeit habe wie früher.“

Außerhalb der lukrativen Herausforderung, sich mit den Pensionsabfertigungen an Firmen zu beteiligen, suchen andere ein Betätigungsfeld als Lektor und geben ihr Know-how an den Unis weiter, wie beispielsweise Ex-AUA-Vorstand Mario Rehulka, 64, oder üben ehrenamtliche Tätigkeiten aus wie die einstige Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayer, 74, die 1990 schon ihre Pension genoss und dem Bridgespiel frönte. Es sollte anders kommen. Schaumayer wurde als weltweit erste Frau in das höchste Amt an die Spitze einer Notenbank geholt. Schaumayer: „Ich konnte doch nicht ablehnen, das wäre das falsche Signal und ein Rückschlag für alle Frauen gewesen.“ Die Spitzenmanagerin hat seither eine Stiftung eingerichtet, die Karrieren von Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft fördert und unterstützt sowie die Rahmenbedingungen erforscht.

Richard Schenz, 66, ehemals Oberboss im Mineralölkonzern OMV, der auch Schaumayer als Vorstand lange angehörte, setzt seine Kräfte heute als Kapitalmarktbeauftragter ein. Und der langjährige Vorstand des Papierkonzerns Frantschach, Veit Sorger, 64, macht sich als Präsident der Industriellenvereinigung nützlich.
Der Industrielle und „Paradesanierer“ Herbert Liaunig, 61, stellte vorsorglich schon vor vielen Jahren die Weichen und gründete sein eigenes Unternehmen, die Auricon: „Manager haben nun einmal nur geborgte Macht, und es ist hart, sie zu verlieren. Bei mir ist das zum Glück anders. Ich habe noch immer die Verfügungsgewalt über Unternehmen und Mittel.“

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