Contrin-Prozess: Je 9 Jahre Haft für Manager

Nach dreijähriger Pause und einigen Verhandlungstagen gibt´s das Urteil im Contrin-Prozess: Je neun Jahre Haft für die Angeklagten. Die Manager des weit verzweigten Firmengeflechts hatten im Zusammenhang mit Container-Geschäften ein Verlustbeteiligungsmodell entwickelt, das 4.500 Anleger die sagenhafte Summe von knapp 73 Mill. Euro gekostet haben soll.

Stefan Mirkovich-Palatin (49), der Gründer der weit verzweigten Firmengruppe, und Johann Schmid (53), ab 1986 Geschäftsführer, (beide hatten sich zu Prozessbeginn "nicht schuldig" bekannt) wurden jeweils zu neun Jahren Haft verurteilt. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung ließ Richter Hans-Peter Januschke die beiden wegen Fluchtgefahr in U-Haft nehmen. Unter dem Applaus von einigen geschädigten Anlegern, die den seit Anfang Oktober laufenden Prozess als Zuhörer verfolgt hatten.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig, die Verteidiger Herbert Eichenseder und Manfred Ainedter meldeten dagegen Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Ein mit angeklagter prominenter Wirtschaftsanwalt, der bei der Contrin-Gruppe als Rechtsberater tätig gewesen war, wurde mangels eines Schuldnachweises freigesprochen. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass er vor oder bei der Begehung der inkriminierten Handlungen Kenntnis vom deliktischen Vorgehen und dem Missbrauch gehabt hätte", lautete die Begründung des Schöffensenats.

In dem seit mehreren Jahren gerichtsanhängigen Verfahren war es um die undurchsichtigen Geschäfte der Contrin-Gruppe gegangen, die sich aus Dutzenden Gesellschaften zusammen setzte und vorwiegend mit Eisenbahn-, Flugzeug- und Schiffscontainern handelte. Finanzkräftigen Anlegern wurden rentable Leasingverträge und ein Steuer schonendes Verlustbeteiligungsmodell schmackhaft gemacht, das Renditen jenseits von 14 Prozent versprach. 1996 schlitterte das Firmengeflecht in die endgültige Pleite, nachdem - so zumindest der zuständige Staatsanwalt Gernot Orasche - die Anleger über die wahre Verwendung ihrer investierten Beträge getäuscht worden waren.

Statt Container anzukaufen sollen die Gelder "verschoben", d.h. entgegen getroffener Vereinbarungen für Darlehen oder andere Beteiligungen verwendet worden sein. Man habe nur "Phantomcontainer" verkauft, so die Anklagebehörde. Auch in private Kanäle dürften die Gelder geflossen sein. Insgesamt mussten sich rund 4.500 Anleger mit einem Gesamtverlust von knapp 73 Mill. Euro abfinden.

Der Contrin-Gründer Stefan Mirkovich-Palatin wurde dafür jetzt wegen Untreue und schweren gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von über 4,4 Mill. Euro schuldig erkannt. Bei Johann Schmid, der ursprünglich als Buchhalter begonnen hatte, erkannte der Senat auf Untreue mit einem Schaden von über 10,9 Mill. Euro, wobei der Vorsitzende sinngemäß anmerkte, dieser sei in Wahrheit nur der Handlanger von Mirkovich-Palatin gewesen: "Der Geist, der über dem ganzen Sachverhalt schwebt, ist Mirkovich-Palatin."

Zweite Anklage?
Die Anklagebehörde hat übrigens gegen die beiden Contrin-Manager eine weitere, bereits rechtskräftige Anklage wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs eingebracht. Ob diese je Gegenstand einer Verhandlung werden wird, ist allerdings fraglich: Sollte das heutige Urteil in der Instanz bestätigt werden, könnte sich der Staatsanwalt damit zufrieden geben, da bei einem zweiten Prozess dieses berücksichtigt werden müsste und nur mehr eine maximale Zusatzstrafe von einem Jahr ausgeschöpft werden dürfte.

Kommentar

Standpunkte

Abtritt Landeskaiser - Auftritt Föderalismusreform?

Kommentar

Standpunkte

Verstörende Weltfremdheit

Kommentar

Standpunkte

Der (Alb)traum vom starken Mann