Comedy goes Theater - 'Gute Unterhaltung'

Im ORF sorgen sie für einige der raren Quoten­erfolge der Reform, jetzt setzt auch das Theater zunehmend auf die Strahlkraft der Kabarettstars. Viktor Gernot etwa gibt in den Kammerspielen den Zahlkellner im „Weißen Rössl“.

Na sicher nicht!“ Sicher nicht werde er blöde Grimassen für den Fotografen schneiden, betont Viktor Gernot, „dazu fühlen sich ohnehin zu viele Kollegen aus der Kabarettszene be­müßigt“. Ein breites Grinsen des Comedystars bleibt nicht aus. Die geerdete, unverblümte Art, dass er so normal rüberkommt, als möglicher Schwiegersohn, bester Kumpel oder großer Bruder, ist auch das Kapital des 43-jährigen Comedystars bei seinem Publikum. Egal ob er mit seiner Band tourt, als einer der „Hektiker“ auf der Bühne steht oder an der Seite von Michael Niavarani im „Simpl“ eloquent Schmäh führt, Gernot ist ein Allroundtalent, und das ist unverzichtbar für den Beruf des Entertainers, wie ihn der gebürtige Oberösterreicher versteht. Jetzt gibt Gernot auch noch sein Debüt in den Kammerspielen und serviert seinen Wortwitz als Zahlkellner Leopold in Ralph Benatzkys Operette „Im weißen Rössl“.

Seit sich die donnerstägliche Kabarettschiene als einer der wenigen Quoten­bringer der ORF-Reform erwiesen hat, setzen auch die Theaterbühnen verstärkt auf die Zugkraft der heimischen Comedystars. Andreas Vitásek beschert mit seiner körper­intensiven Performance als Nestroys „Weinberl“ gerade dem Volkstheater einen der ra­ren Kassenerfolge und sorgt zudem ge­meinsam mit Simpl-Boss Michael Niavarani in Anthony Neilsons „Schöne Bescherung“ auch in den Kammerspielen für „Ausverkauft“-Schilder. „Wir sind Kaiser“-TV-Star Robert Palfrader wiederum spielt ab 7. März den Oskar in Ödön von Horváths „Ge­schichten aus dem Wiener Wald“, und „Was gibt es Neues?“-Moderator Oliver Bai­er versucht sich im Sommer bei den Schlossspielen Porcia als „Der Schwierige“. Für Viktor Gernot nichts Außergewöhnliches und schon gar kein Widerspruch zum Kabarettis­tenhandwerk. Er wundere sich oh­­nehin über die Beharrlichkeit der Grenzen im deutschsprachigen Raum. „In Frankreich oder Amerika käme keiner auf die Idee, das zu hinterfragen. Oder sich zu wundern, wenn etwa der Jim Carrey einen Film lang ohne Grimasse auskommt. Comedy ist einfach ein Teil des Dramas. Die Grenzen sind fließend. Alles andere ist Übung.“

Immerhin hat der einstige österreichische Schwimmmeister auch eine solide Mu­sik­theaterausbildung hinter sich und war bis 2001 en suite auf den heimischen Musicalbühnen zu finden, ehe ihn der Ehrgeiz nach mehr Selbstbestimmung packte. „Auch mein Kollege Vitásek ist zwar als Solokabarettist erfolgreich, hat aber eine Ausbildung an der Pariser Lecoq-Schule und ist ein ­zirzensischer Theatermann. Die Ka­barettstars sind und waren doch immer die eigentlichen Volks­schau­spieler. Man braucht sich doch nur an Publikumslieblinge wie Maxi Böhm, Ernst Waldbrunn, Heinz Conrads erinnern, die im Kabarett ebenso zuhause waren wie im Theater oder auf der Leinwand. Irgendwann ist dann Entertainment vom Feuilleton zum Pfuigack gemacht worden.“

Dabei ist es erwiesenermaßen keine un­geschickte Variante, neues Publikum in die Theater zu bekommen. Und natürlich wird auch der Name Gernot den Kammerspielen ein anderes Publikumssegment er­öffnen. „Man kann sich auch gut unterhalten, ohne hehre Grundsätze dafür aufgeben zu müssen“, verweist Gernot auf die Neuinszenierung von Benatzkys Operette. Nach der ­erfolgreichen Trashversion der Geschwis­ter Pfister 1994 steht das Singspiel gerade wieder hoch im Kurs: Im Landestheater Linz steht es ebenso auf dem Spielplan wie in Mörbisch, wo Harald Serafin auf die Zugkraft von Rainhard Fendrich und EAV-Frontmann Klaus Eberhartinger setzt.

„Das ‚Weiße Rössl‘ ist Musicalcomedy im reinsten Sinne. Eigentlich eine ‚Piefke-Saga‘ in Musiktheaterform, voll hinterfotzi­ger, abcashender Österreicher, die mit kon­struiertem Charme, Natur- und Kitschangebot die deutschen Touristen über den Tisch ziehen.“ Gernot hat die Rolle des Leopold bereits in den 90er-Jahren in Deutschland gespielt. Dass er als großer Fan und enger Freund von Peter Alexander nun erneut auf den Spuren seines Vorbilds wandelt, freut ihn besonders. „Peter Alexander war und ist ein Star, ein handwerklicher Könner, der mich durch meine Jugend begleitet hat. Solche Stars gibt es in Zeiten von ‚Dancing Stars‘ und ‚Musicalstars‘ nicht mehr.“ Aber Star wollte er ohnehin nie werden. „Ich wüss­te nicht, wie ich mit so einer Verehrung zurechtkäme“, besteht der Kabarettist auf seinem Half-Celebrity-Status. Und selbst der sei „kein Resultat einer Marketing­strategie oder eines ausgeklügelten Fünfjahresplanes“, sondern echt, echt erspielt.

Das Fernsehen trägt natürlich als wirksamstes aller Medien zur Markenbildung bei. Das seit drei Jahren erfolgreiche ORF-Format „Was gibt es Neues?“, das ab­wechselnd die Herren Maurer, Niavarani, Scheuba, Vitásek zum fröhlichen Begrifferaten versammelt, hat durchschnittlich 400.000 Zuseher. „Dafür müsste man“, so Gernot schnell kalkulierend „sechs ­Jahre durch Österreichs Bühnen touren.“

Die Grenzen guter Unterhaltung zieht er nach wie vor nach persönlichen Ge­schmacksparametern. „Bei Personen wie Lugner oder Schiller, die sich mit Kon­sequenz selbst tagtäglich in die Yellow Press hängen, gibt es keinen Genierer und keine Gnade, aber bei Krankheiten oder sexuellen Vorlieben, also alldem, was auch im ungeschriebenen Ehrenkodex der Presse steht, zieht man Grenzen, die nicht überschritten werden.“ Das von Wolfgang Lorenz angekündigte ORF-Format „Gernots Club“ wird es übrigens nicht geben. „Das war zu lange in der Warteschleife.“

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