Brutale Kampftarife: Der Handy-Krieg

Die Handybetreiber rüsten zur finalen Schlacht. A1 und T-Mobile kündigen Preiskriege an, bis zwei der Konkurrenten aufgeben.

Kurz vor dem Höhepunkt des Faschings geht es in der Telefonzentrale der Mobilfunkfirma tele.ring rund. Dutzende Anrufer melden sich täglich, die den Faschingsdienstag als Speckmännchen feiern und dafür das Outfit der drei TV-Werbefiguren borgen wollen. tele.ring-Boss Michael Krammer ist ob des Ansturms schon leicht genervt: „Die Dinger hängen bei uns nicht in der Garderobe. Wir sind ja kein Kostümverleih.“

Abgesehen davon ist Krammer über den Erfolg seiner „Der Speck muss weg“-Kampagne aber höchst erfreut. Sie hat den Bekanntheitsgrad der Marke in ungeahnte Höhen gepusht und tele.ring – ähnlich der Ryanair im Flugbusiness – als echten Billiganbieter etabliert. Wie bei den Airlines sieht sich die etablierte Konkurrenz gezwungen nachzuziehen.

Im eigenen Netz ist Telefonieren jetzt fast gratis. Ende der vergangenen Woche folgte Schlag auf Schlag. T-Mobile legte mit dem neuen Relax-Tarif eine Nullnummer vor: null Cent für alle Telefonate innerhalb des T-Mobile-Netzes mit zwei Millionen Teilnehmern. Eine halbe Stunde später konterte Marktführer Mobilkom mit einem Cent pro Minute zu drei Millionen A1-Kunden. tele.ring hat diesen einen Cent schon länger. Innerhalb des eigenen Handynetzes ist Telefonieren damit in Österreich fast gratis. Und T-Mobile bietet für zusätzliche vier Euro Grundgebühr auch noch ein Konkurrenznetz nach Wahl, zu dem nur fünf Cent pro Minute verrechnet werden.

Die Schlacht der Handybetreiber hat eine neue Dimension erreicht. Von 1998 bis 2003 sind laut dem Consulter Arthur D. Little die Kosten für den Gebrauch eines Mobiltelefons hierzulande von durchschnittlich 27 Cent pro Minute auf 17 Cent gefallen. Der aktuelle Preiskrieg drückt das Niveau nochmals um zirka zehn Prozent auf runde 15 Cent: Das sind 45 Prozent Preisverfall in nur sechs Jahren. A1-Boss Boris Nemsic: „Real zahlen die Leute noch weniger, als die Statistik ausdrückt.“ Österreicher erfreuen sich an den billigsten Gebühren in ganz Europa: Die Handyrechnung macht im Schnitt gut 30 Euro monatlich aus, Schweizer zahlen für die gleiche Leistung 50 Prozent mehr.

Droht marode Infrastruktur? Die Branche stöhnt unter ihren eigenen Dumping-aktionen. Georg Pölzl, Chef von T-Mobile Austria: „Langfristig sind die Investitionen nicht mehr leistbar. Dann droht ein ähnliches Schicksal wie bei den kalifornischen Stromfirmen: Die Infrastruktur ist so marod, dass die Konsumenten die negativen Auswirkungen spüren.“ One-Vorstand Christian Czech meint: „So schlimm wie jetzt war es lange nicht.“

Auch Telekom-Regulator Georg Serentschy macht sich Sorgen: „Den Marketingabteilungen einiger Betreiber ist die Preispolitik entglitten. Dienste für null Cent halte ich für falsch. Wenn das so weitergeht, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel. Da wird massiv Wertvernichtung betrieben.“

Doch das spielt im Krieg keine Rolle. Pölzl rechnet mit Konfrontation, bis zumindest zwei Mobilfunker aus dem Markt fliegen: „Fünf bis sechs Netze sind auf lange Sicht in Österreich nicht zu betreiben.“ Nemsic sagt ganz offen: „Es schaut aus, als ob wir alle deppert wären. Doch der Staat hat durch zu viele Lizenzen ein künstliches Überangebot geschaffen. Und jetzt wird reiner Tisch gemacht. Jetzt hauen wir hin und schauen, wer übrig bleibt. Wir biegen auf die Zielgerade ein.“ Vor allem hat er die tele.ring im Visier.

Überkapazitäten und Schleuderpreise. Derzeit zeichnet sich noch kein Abgang ab. Im Gegenteil: Kurzfristig werden „die Preise noch tiefer sinken“, weiß auch Pölzl. Nirgendwo in Europa ist die Konkurrenz so hart wie hier. Solange Überkapazitäten bestehen, werden Betreiber wie tele.ring oder „3“ ihre leeren Netze zu Schleuderkonditionen füllen wollen. Abgesehen von den hohen Anfangsinvestitionen sind die Kosten im Mobilfunk relativ gering. Operativ rechnet sich ein Kunde schnell, auch wenn er wenig zahlt. Nur: Das Investment ist so nicht zurückzuverdienen.

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