Brief-Bombe tickt schon

Die komplette Liberalisierung des Briefmarktes wirft ihre Schatten voraus. Mit welchen Angreifern die Post AG rechnen muss und wie sie reagiert.

Manchmal ist es besser nachzugeben, bevor es richtig schmerzt. Das wird sich Post-Chef Anton Wais gedacht haben, als er kurz vor Weihnachten nach zähen Tarifverhandlungen seinen Postlern drei Prozent mehr Gehalt zubilligte. Der Betriebsrat hatte schon mit Streik gedroht, und das in der turbulentesten Zeit des ganzen Jahres. Außerdem hätte ein Arbeitskampf weitere Negativschlagzeilen beschert. Und davon hatte Wais 2007 genug.

Im vergangenen Jahr musste die Österreichische Post erstmals wirklich intensiv den bitteren Geschmack des Wettbewerbs kosten. Der Konkurrent Hermes trat in den Markt für Pakete an Private ein – und luchste der Post gleich 15 von 47 Millionen Sendungen ab, weil die großen Versender Quelle, Neckermann und Otto die Fronten wechselten. Gleichzeitig läutete der Auftritt des Mitbewerbers einen brutalen Preiskampf ein: So ist zu hören, dass die Paketdivision des Exmonopolisten derzeit zum Selbstkostenpreis arbeitet.

Laut Wais wird die Post 2008 zwar im Paketbereich ein ausgeglichenes Ergebnis statt der ursprünglich befürchteten Verluste schaffen: Sie muss aber den Abbau von 1.700 Jobs schneller als geplant durchziehen.

Dabei ist das erst ein laues Lüftchen im Vergleich dazu, was sich in den nächsten Jahren am Briefmarkt abspielen wird. „Der nächste Angriff kommt beim Brief“, macht sich Anton Wais keine Illusionen. Ab 2011 muss der Markt laut EU-Vorgabe komplett geöffnet werden – und auch der bisher geschützte Bereich für Sendungen unter 50 Gramm der Konkurrenz offenstehen.

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