Brandauers Comeback

Sein oder Nichtsein: Der österreichische Bühnenheld Klaus Maria Brandauer startet nach einer Phase der Selbstfindung einen neuen Karriereabschnitt. „Hamlet“, sein Regiedebüt am Burgtheater, könnte den Weltstar alte Wunden vergessen lassen.

Wetten, daß er den Erwartungen immer wieder entspricht? Am vergangenen Samstag hätte Bühnenheld Klaus Maria Brandauer in der Wiener Stadthalle mit von der Partie sein sollen, als in Thomas Gottschalks rauschender Partyshow „Wetten, daß …?“ (österreichweit 1,7 Millionen Zuseher) der Eysöldener Landwirt Manfred Dorner mit verbundenen Augen den zugegebenermaßen etwas absonderlichen Versuch unternahm, durch Abtasten der Euter die Namen der 50 Kühe, die in seinem Stall stehen, zu erraten. Doch der vorgesehene Wettpate Brandauer sagte – mitten in den letzten Probenarbeiten für seine „Hamlet“-Premiere am Burgtheater – den „nach langem Zögern“ (so Viktor Worms von der Gottschalk-Produktionsfirma Dolce Vita) und komplizierten Vertragsverhandlungen bereits fix vereinbarten Ausflug ins Kalauer-gewerbe kurzfristig wieder ab. Die Euterwette sei ihm doch um einiges zu läppisch, beschied der Mime den Fernsehfritzen, dazu habe er keine Lust, ihm liege nichts an dem flockigen Auftritt im Hauptabendprogramm.

„Vermutlich war das mit der Wette ja nur ein Vorwand von ihm“, meinte Viktor Worms verstimmt nach der Sendung: „Wir dachten uns, wenn ihm nichts daran liegt, wird es schwierig, weil unsere Gäste doch eine gewisse Lust mitbringen sollten, neben Gottschalk in der Show zu sitzen.“

Statt des Burgstars sprang schließlich Tausendsassa Rainhard Fendrich in die Bresche. Brandauer hingegen hatte die imaginäre Wette aus dem Vorfeld der Show bravourös gewonnen: Wetten, daß er seiner Trademark „komplizierter Star“ nicht entkommen kann?

„Natürlich ist er kapriziös, natürlich ist er eine Diva“, meint TV-Profi Hans Mahr, Informationsdirektor von RTL, der mit dem Star seit zwei Jahrzehnten eine enge Bekanntschaft pflegt: „Jeder, der etwas anderes behauptet, kennt ihn nicht. Aber das ist nicht weiter problematisch: Er hat das Recht, eine Diva zu sein.“

Die selbstgefällige Figur eines Rampenkönigs ist allerdings in diesen Tagen auf der Bühne des Burgtheaters weit und breit nicht in Sicht. Regisseur Brandauer inszeniert mit einem handverlesenen Ensemble Shakespeares „Hamlet“. Drei Monate nimmt sich die Luxusproduktion (Premiere: 18. Dezember) für die Proben Zeit. Für den Hamlet-Darsteller Michael Maertens „kann es gar nicht lange genug dauern, ich könnte auch noch drei Jahre weiterprobieren“. Der Schauspielstar aus Hamburg empfindet die Arbeit „erschreckend harmonisch: Ich bin selten so animiert worden und hatte seit Jahren nicht mehr soviel Spaß bei Proben.“

Das Unternehmen, die große Tragödie unter Brandauers Regie auf die Burgbühne zu bringen, ist delikat. Vier Jahre lang hatte der Großschauspieler selbst insgesamt hundertmal den Dänenprinzen an der Burg „zum Leben erweckt“ (Brandauer). Es war seine Traumrolle, die er sich früh hatte vertraglich zusichern lassen, und einer der größten Publikumsmagneten des Staatstheaters. Er scheute damals weder Kosten noch Strapazen, um seinen Hamlet geben zu können. Mal schwebte er übers Wochenende zu seinen umjubelten Auftritten aus Nairobi ein (wo er gerade „Jenseits von Afrika“ drehte), mal eilte der Weltstar aus New York herbei. Die Befürchtung, die Erinnerung an seinen Triumph könnte den Schauspieler bei seinem Regiedebüt an der Burg überwältigen, lag während der Vorbereitungsphase der Prestigeproduktion in der Bühnenluft.

Zu Unrecht. Brandauer, berüchtigt dafür, möglichst viele Funktionen auf sich vereinigen zu wollen, widerstand schweren Herzens der Versuchung, sich in seinem neuen „Hamlet“ selbst auch gleich die Rolle des mörderischen Stiefvaters Claudius zu übertragen. In den Proben geht er seinen Darstellern behutsam zur Hand und beschwört sie, er möchte sie „glückselig bis zur Glückseligkeitsverblödung“ erleben. Immer wieder „reißt es ihn“ (Michael Maertens), und er spielt dem Ensemble seine Regievorstellungen vor. Hamlet Maertens: „Ich mag das ganz gerne, wenn er auf die Bühne springt, weil ich dann besser verstehe, was er meint.“

Ch. Hirschmann, F. Radax

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Außerdem:

  • Hamlet Darsteller Michael Maertens: "Erschreckend harmonisch"
  • Brandauers Biographin Christine Dössel über die neue Karriere des Allrounders

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