Boom der Biosupermärkte.

Der Steirer Alois Rosenberger hält nicht viel von künstlicher Bescheidenheit. Vor zwei Jahren hat er seinen ersten Ökoladen unter dem Namen Bio Market aufgesperrt. Mittlerweile hält er bei fünf Geschäften – und das soll erst der Anfang sein. „Ich plane die größte Expansion von Biosupermärkten, die es in Österreich je gab“, kündigt Rosenberger an. In fünf Jahren will er bereits zwanzig Standorte betreiben, in zehn Jahren fünfzig.

Doch er ist nicht der einzige Kaufmann, der in Soja-Schokolade, vegetarischem Sugo Bolognese, ungespritztem Obst und Milch von glücklichen Kühen ein profitables Geschäftsfeld mit viel Umsatzpotenzial sieht. Insgesamt wollen gleich sieben Biosupermarktketten im heimischen Markt kräftig wachsen. Hundert neue Ökoläden wollen in den nächsten fünf Jahren aufsperren – mindestens.

Kein Zweifel: Bio ist „in“. Wer im Naturkostladen einkauft, gilt längst nicht mehr als weltfremder, körndlfressender Gesundheitssandalenträger. Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Gammelfleisch- und Pestizidskandale sowie kritische Dokumentarfilme wie „Darwin’s Nightmare“ lösten bei vielen Österreichern einen nachhaltigen Bewusstseinswandel aus. 2006 stieg der Umsatz des Biofachhandels um satte 19 Prozent auf 83 Millionen Euro, bis 2010 soll er sich Prognosen zufolge auf 200 Millionen Euro mehr als verdoppeln.
Diesen Hype will auch Biosupermarkt-Pionier Stefan Maran geschäftlich nutzen. Der gebürtige Rumäne eröffnete 1998 den ersten großflächigen Öko-Store in Wien. Heute hält er bei vier Geschäften und verhandelt intensiv mit europäischen Kapitalgebern, um die weitere Expansion zu finanzieren. „Läuft alles nach Plan, kommen in fünf Jahren zwanzig neue Shops dazu“, sagt Maran, der vorerst mit einer neuen Idee punkten will: Biocatering. Ab Herbst will der findige Firmengründer Privatpartys und Betriebsküchen in Wien mit gesunden Speisen beliefern.

Während sich schon Marans Märkte mit 400 Quadratmeter Verkaufsfläche in puncto Größe und Sortiment – sogar Ökowindeln gibt es – von kleinen Naturkostläden abheben, bewegt sich die deutsche Biosupermarktkette Basic in noch größeren Dimensionen. Österreich-Chef Volkhard Hubschneider bietet auf 800 Quadratmetern 9.000 Artikel feil, teils in meterlangen Tiefkühlregalen, und spielt in einer Liga mit klassischen Ketten wie Billa und Spar. Im Juni sperrte er die erste Filiale in Wien-Meidling auf, nun will er das Filialnetz „binnen drei bis vier Jahren auf fünfzehn Stück ausdehnen“.

Setzen Rosenberger, Maran und Hubschneider bei ihren Konzepten zur Gänze auf zertifizierte Bioprodukte, wollen zwei andere heimische Unternehmer ebenfalls auf der Gesundheitswelle surfen, aber mit einem alternativen Modell: mit Reformhäusern, die neben Biolebensmitteln stark auf Naturkosmetik und Nahrungsergänzung spezialisiert sind.
So feilt der Oberösterreicher Hermann Storz eifrig an der Expansion seiner rund 600 Quadratmeter großen „Livit“-Märkte. Mit der Wiener Risikokapitalfirma „schilling“ als 74-Prozent-Eigentümer im Hintergrund will Storz die bestehenden vier Shops in Wien, St. Pölten, Linz und Wels bundesweit multiplizieren. Storz: „Zwanzig weitere Märkte in drei Jahren sind ein realistisches Ziel.“

Derzeit betreibt allerdings der Tiroler Alexander Martin die meisten Ökoläden im Lande. Quer über Österreich verteilt gehören zehn Reformhäuser zu seiner Kette, im März eröffnet er zwei weitere Geschäfte in Graz und Linz. „Die Standortsuche fällt mir leichter als den Mitbewerbern, weil meine Shops im Durchschnitt nur 180 Quadratmeter groß sind“, so Martin über seine Wachstumsstrategie. In fünf Jahren will er dreißig Läden besitzen und auch in Bezirkshauptstädte vordringen. Der Grund: In den großen Städten verschärft sich die grüne Konkurrenz bald dramatisch.

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