Blutrubine

Das Militärregime in Burma finanziert sich durch den Verkauf teurer Rubine. Auch österreichische Juweliere handeln mit den blutigen Steinen.

Kein Zweifel: Den Oscar als bester Nebendarsteller 2007 hat sich Djimon Hounsou im US-Streifen „Blood Diamond“ verdient. An der Seite Leonardo DiCaprios verkörpert Hounsou authentisch den von physischen wie psychischen Qualen gezeichneten Sklaven Solomon Vandy, der im Auftrag seiner Peiniger verschlammte Gewässer nach Rohdiamanten durchkämmt. Edward Zwicks Afrika-Drama ist keineswegs pure Fiktion. Die über illegal geschürfte Diamanten finanzierten Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone sorgten in den 90er-Jahren international für Aufruhr. Erst seit dem 2003 in Kraft getretenen Kimberley-Abkommen wird versucht, den weltweiten Handel mit Blutdiamanten zu unterbinden. Bislang allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

Menschenrechtler beobachten aber nicht nur den Handel mit Blutdiamanten mit Sorge. So unterstützt etwa der Verkauf wertvoller Rubine und Saphire aus Burma die dortige Militärjunta. Wie FORMAT recherchierte, gibt es die Blutedelsteine auch in Österreich – und das zum Teil gar bei namhaften Juwelieren, die beim Verkauf der tiefroten Rubine für bis zu zehntausend Euro pro Karat eher wenig ethische Bedenken zeigen.

Die Liste heimischer Firmen, die Burma-Steine im Sortiment führen, ist lang. Auf Anfrage geben sich die jeweiligen Juweliere mitunter wortkarg, machen aus ihren fragwürdigen Geschäften aber keinen Hehl. „Solange die Nachfrage da ist, wird es Burma-Juwelen auch weiterhin geben“, sagt etwa Kevin Nedoluha, Chef der gleichnamigen Wiener Juweliergeschäfte, nüchtern. Er selbst wolle die Herkunft der Edelsteine nun genauer prüfen, aber „jeder, der ehrlich ist, wird zugeben, dass deren wahre Provenienz nur schwer festzustellen ist“. Ähnliche Bedenken äußert der Wiener Nobeljuwelier Henri J. Sillam, in dessen Portfolio sich ebenfalls Burma-Steine befinden: „Seit zwölf Jahren verkaufe ich nur zertifizierte Steine. Doch wirklich sicher, woher sie stammen, kann ich mir leider auch nicht sein.“ Die Notwendigkeit solcher Atteste betonen auch die beiden Promi-Juweliere Christoph Köchert und Richard Köck, die sich bislang auf das Wort ihrer Lieferanten verließen. Der bekannte Kärntner Juwelier Hans Schullin meint hingegen, dass solche Zertifikate nicht nötig seien, zumal man aufgrund der Einschlüsse in den Steinen ohnehin auf deren Herkunft schließen könne.

Wenn es um einen Boykott der Steine geht, erweisen sich einige der Händler aber als weniger redselig. „Das bringt doch nichts“, betont etwa Philipp Pelz, Geschäftsführer von Wempe, „dann hätten die finanziell ohnehin schon benachteiligten Menschen in Burma noch weniger als jetzt schon.“ Eine Meinung, die auch die Wiener Innenstadtjuweliere Anton Heldwein und Hermann Gmeiner-Wagner teilen: „Ein Boykott trifft nicht nur die Militärjunta, sondern auch all jene Menschen, die ihr Brot in den Minen verdienen.“ Internationale Luxusjuweliere wie Cartier, Bulgari und Tiffany sehen das allerdings anders. Seit wenigen Tagen boykottieren sie die Steine aus Protest gegen die Menschenrechtsverletzungen des burmesischen Militärregimes und die dortige Ausbeutung von Arbeitern.

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