Blutgeld in Österreich

Blutgeld in Österreich

Sicherer Hafen. Diktatoren, Oligarchen und autoritäre Regimes von Nordkorea über Zentralasien, vom Kaukasus bis nach Libyen nutzten und nützen Österreich als Fluchtpunkt für geplünderte Vermögen.

Die Anziehungskraft Österreichs für schmutziges Geld ist ungebrochen. Was an Millionen-Deals am Rande des (Selbst-)Mordfalls Rakhat Aliyev ans Licht kommt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Diktatoren und Despoten oder russisch-ukrainische Oligarchen und Machthaber bringen ihre Schäfchen gerne ins Trockene - nach Österreich. Ein jahrzehntelang währendes strenges Bankgeheimnis, diskrete Privatstiftungen, willfährige Politiker und verschwiegene Advokaten begünstigen die Verschiebung von halblegalen Milliardenwerten. Oft sind es ähnliche Schnittmuster, nach denen das Geld nach Österreich gebracht wird und wie es dann in Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen investiert wird.

Die Summen, um die es geht, sind enorm. Anfang März 2011 bezifferte die Österreichische Nationalbank die Summe libyschen Gelds in Österreich auf 1,2 Milliarden Euro. Die deutsche "Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ("FAZ“) schätzte, dass rund 1,6 Milliarden an ukrainischem Vermögen in Deutschland liegen, Österreich bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Nimmt man Schätzungen von Anti-Korruptions-NGOs betreffend die Schweiz als Richtschnur, lassen sich in Österreich insgesamt zwischen sechs und acht Milliarden Euro an "echtem“ Blutgeld verorten. Spektakulär sind auch die Einzelfälle: Der auf ein Vermögen von 150 Millionen Euro geschätzte frühere Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, ließ seine Datscha von österreichischen Miteigentümern verwalten. Sein Clan bzw. die Familie seines Premierministers Mykola Azarow investierte in Wien in Häuser, eine Galerie und sogar einen Verlag. Zahlreiche Stiftungen und Unternehmensbeteiligungen runden das Portfolio ab. Die ihm nahestehenden Oligarchen-Brüder Andrej und Sergej Klujew wollten sogar 155 Millionen Euro für die Bank Burgenland lockermachen. Und die in Wien domizilierte Krutrade des Rohstoff-Barons Iskander Machmudow setzte vor der Verlagerung nach Zypern satte 1,9 Milliarden Euro um - mit einem Gewinn von 309 Millionen. Da fallen die insgesamt 26 Millionen für zwei via Österreich georderte Yachten für die nordkoreanische Dynastie der Kims fast gar nicht mehr auf. Der russische Oligarch Boris Mints investierte zuletzt 295 Millionen in die CA Immo und meldet Interesse für die Immofinanz an. Und die arabischen Gaddafis, Ben Alis und Assads sprengten mit ihren hierzulande veranlagten Geldern locker die Milliardengrenze.

Lesen Sie den ganzen Artikel in FORMAT Nr. 10/2015
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