Blinder Befreiungsschlag oder weitsichtige Diplomatie?

Der Streit um das iranische Atomprogramm spitzt sich gefährlich zu. Für die USA sind „alle Optionen am Tisch“, Iran zeigt sich ungerührt.

Vorerst nicht auf den Rat erfahrener Politiker hören zu wollen, das machte US-Präsident George W. Bush in seiner Rede zur Lage der Nation am 23. Jänner dieses Jahres neuerlich klar. Im Gegensatz zu Exaußenminister James Baker, der den USA eindeutig einen Dialog mit dem Iran empfiehlt, verstärkt die Regierung die Kanonenboot-Diplomatie im Persischen Golf. Diese reicht von der Kriegsflotte über Druck auf Unternehmen, die im Iran tätig sind, bis hin zu Wortgefechten im UNO-Sicherheitsrat. Parallel dazu muss das Weiße Haus Verhandlungsbereitschaft pflegen, da weder die Bevölkerung der Vereinigten Staaten noch die Verbündeten der USA einen Waffengang wollen.

Sowohl die USA als auch der Iran pokern hoch. Der Iran beugt sich keinem Druck, setzt auf Freunde im Sicherheitsrat und könnte den USA jederzeit in Afghanistan und im Irak echte Probleme schaffen, falls man dies wollte. Ein Krieg scheint aus vielen Gründen ausgeschlossen. Beim Durchdenken einer israelischen Operation im Iran kommen Experten angesichts möglicher Reaktionen zum Schluss, dass sich ein Krieg nicht rechnet. Zudem versinkt Israel im Korruptionssumpf und ist mit sich selbst beschäftigt. Dass der neue Generalstab des Landes derzeit ein solch großes Risiko eingeht, ist schwer vorstellbar.

Nicht auszuschließen ist allerdings, dass im Zuge einer Eskalation, wie einer verirrten Kugel im Golf, vieles außer Kontrolle geraten könnte. Die Präsidenten der USA und des Iran sind zudem nämlich beide überzeugt, dass „Gott mit ihnen einen Plan habe“. Hier liegt auch die große Gefahr eines Befreiungsschlags.

Dass es einflüsternden Stimmen der Vernunft gelingt, das Ruder in Richtung Gespräch umzuschwenken, sollte unser aller Bestreben sein. Ein Anfang mit neuer Wortwahl wäre nützlich: Es geht nicht um Gute und Böse, sondern um Politik, die diesen Namen verdient.

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