Bis 2020 soll die Einkommensschere geschlossen sein

Drei Monate arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern gratis: Die Vorschläge von Experten, um die Einkommensschere zu schließen.

50 Jahre ist es her, dass man in den EG-Gründungsvertrag den Grundsatz „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ aufgenommen hat. Aber immer noch verdienen Frauen in Österreich deutlich weniger als Männer. Diese Einkommensschere kann nicht per Knopfdruck und schon gar nicht über Nacht geschlossen werden. Mit großen Kraftanstrengungen kann und wird das in mehreren Etappen bis zum Jahr 2020 gelingen.

Mein Ziel: Unsere Töchter sollen über die Einkommensschere nicht in den Zeitungen, sondern nur mehr in den Geschichtsbüchern lesen. Für Mädchen, die heute geboren werden, muss Einkommensgerechtigkeit eine Selbstverständlichkeit sein.

Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor uns. So zahlreich und vielfältig die Lösungsansätze auch sein müssen, eines steht fest: Wir müssen den Hebel bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, also bei einem guten Angebot an Kinderbetreuungsplätzen, ansetzen. Darüber sind sich die OECD, die EU-Kommission, das WIFO und die Sozialpartner einig. Ich bin deshalb sehr froh, dass die Regierung insgesamt 60 Millionen Euro als Anstoßfinanzierung für den Ausbau der Kinderbetreuung in die Hand nimmt.

Ich setze mich aber auch für ganz konkrete Maßnahmen in den Betrieben ein. So kann es einiges bewirken, wenn Unternehmen die Aufteilung von Gehalt, Arbeitszeit und Weiterbildungsangeboten auf Männer und Frauen offen legen – ab einer gewissen Anzahl von MitarbeiterInnen und selbstverständlich anonym. Wir brauchen aber auch bessere Bildungschancen und, ganz allgemein gesprochen, eine gerechtere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Große Anstrengungen in der Bewusstseinsbildung sind notwendig. Um das gemeinsame Ziel „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ zu erreichen, liegen also noch viele Etappen vor uns.

Mit dem Mindestlohn, den Mehrarbeitszuschlägen bei Teilzeitarbeit, dem flexiblen Kindergeld und der Kindergarten-Offensive hat die Regierung bereits einige wichtige Etappen zurückgelegt.

Astrid Kleinhanns-Rollé, Managing Director der WU Executive Academy

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