„Bin der letzte ÖBB-General“

Rüdiger vorm Walde über seine Ablöse als Bahn-Chef, die Kritik gegen ihn, über seinen Nachfolger Martin Huber und die Pläne für den Personenverkehr.

Format: Vertrag ist Vertrag, sagten Sie öfters. Aber offenbar doch nicht: Wieso stimmten Sie letztlich zu, aus der ÖBB-Holding auszuscheiden?
Vorm Walde: Der Bahn wurde Ende 2003 per Gesetz eine neue Struktur verpasst. Meine Aufgabe war, diese umzusetzen. Und mit 31. 12. 2004 ist diese Phase abgeschlossen.
Format: Trotzdem, Sie hatten einen Vertrag als Holding-Chef bis Mitte 2006.
Vorm Walde: Ich hätte bleiben können. Wir reden aber von einer rein strategischen Holding mit nur 70 bis 80 Leuten. Hier sehe ich mein Business nicht. Eine operative Holding wollte der Gesetzgeber nicht. Daher gehe ich in
die Personenverkehrs AG, sobald diese scharf geschaltet ist.
Format: Dahinter stand aber starker Druck aus Politik und Aufsichtsrat?
Vorm Walde: Falsch. Schon bei meiner Entscheidung für den Personenverkehr war klar, dass ich keine Doppelfunktion ausüben kann. Mit Aufsichtsratspräsident Reithofer habe ich das seit Mai diskutiert.
Format: Sie sagen allen Ernstes, Sie seien freiwillig gegangen?
Vorm Walde: Ja, mein Vertrag ist so gestaltet, dass die Sache nur freiwillig zu lösen war. Und das sage ich nicht, weil wir eine Sprachregelung getroffen haben.
Format: Wenn das stimmt, ist absolut unverständlich, wieso ursprünglich nur ein neuer Vorstand und nicht gleich ein Chef gesucht wurde. Wie es gemacht wurde, sieht es nach Rauswurf aus.
Vorm Walde: In der Frage des geschickteren Verkaufens hätten alle zusammen – Politik, Aufsichtsrat und Vorstand – eleganter kommunizieren können. Aber das hatte etwas mit der Fortschreibung und Dotierung von Verträgen zu tun, im politischen Umfeld immer ein Problem.
Format: Für die Öffentlichkeit wurden Sie durch Martin Huber ersetzt.
Vorm Walde: Also, der letzte ÖBB-Generaldirektor ist vorm Walde gewesen. In Zukunft gibt es starke operative Gesellschaften und eine Holding mit einem Sprecher. Der Konzern alter Prägung ist Geschichte, die Staatsbahn ÖBB ist tot.
Format: Dennoch stehen Sie als der Verlierer da.
Vorm Walde: Ich habe ein Tabu gebrochen. Man geht nicht aus einer Holding, noch dazu als Vorstandsvorsitzender – ein Job, den viele gerne hätten.
Format: Herr Huber sieht die Holding weniger schwach als Sie. Er bezeichnete die AGs darunter kürzlich als eine Art Profit-Center …
Vorm Walde: Die Holding ist die strategische Klammer, alles andere regelt das Aktiengesetz. Ich kenne die Vision von Herrn Reithofer, dass die Klammer schrittweise an Bedeutung verlieren soll.

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