Bilanzen: Rekord- gewinne trotz Krise

Die 30 ertragsstärksten Konzerne der Wiener Börse erwirtschafteten 2007 fast zehn Milliarden Euro Gewinn. Auch heuer werden die Profite trotz Rezessionsangst weiter steigen.

Unerwartet verhalten gab sich OMV-Generaldirektor Wolf­-
gang Ruttenstorfer bei der Präsentation der Unternehmenszahlen am Dienstag dieser Woche. Der ehemalige Politiker weiß, dass Konsumenten und Autofahrerklubs angesichts der hohen Ölpreise auf lauten Jubel gereizt regieren könnten. Doch die Ergebnisse sprechen auch so für sich: Der Öl- und Gaskonzern erwirtschaftete 2007 1,579 Milliarden Euro Nettogewinn – den höchsten der Firmengeschichte. „Un­sere internationale Wachstumsstrategie ist voll aufgegangen“, kommentierte Ruttens­torfer emotionslos.

Der Petrokonzern erwirtschaftete den höchsten Gewinn aller im ATX-Prime-Market der Wiener Börse gelisteten Unternehmen. Doch auch Erste Bank, Raiff­eisen International und der Linzer Stahlriese voestalpine erwarten für das abgelaufene Geschäftsjahr – viele Konzerne publizieren ihre Bilanzen in den nächsten Tagen – Rekordergebnisse. Generell sprudelten die Gewinne 2007 so kräftig wie nie zuvor. Die drei­ßig wichtigsten Firmen des ATX-Prime erzielten gemeinsam um zehn Prozent mehr Gewinn als 2006, in Summe rund 9,6 Milliarden Euro. Ursache für diesen Geldsegen waren einerseits die sehr gute Weltkonjunktur und die boomende Nachfrage nach Rohstoffen wie Erdöl und Metallen. Zweiter wichtiger Faktor war das starke Wirtschaftswachstum in Ost­europa. „Infolge dessen“, konstatiert IHS-Chef Bernhard Felderer, „haben Banken und Konzerne im Bereich der Grundstoff­industrie besonders floriert.“

Die hohen Profite stehen in krassem Gegensatz zur derzeit getrübten Stimmung an den internationalen Finanzmärkten. Dank Kreditkrise und Rezes­sionsängsten haben die Pessimisten derzeit Oberwasser. Doch Österreich ist davon weitgehend verschont geblieben. Der Finanzmarkt und die Realwirtschaft entwickeln sich derzeit gehörig ausein­ander: Während der Aktienindex ATX 20 Prozent unter seinen Höchstständen bei knapp 4.000 Punkten dahindümpelt (siehe Grafik unten), liefen die Ge­schäfte der Konzerne auch nach dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer weiter wie geschmiert.

Dass gerade die heimischen Banken zu den großen Gewinnern des vergangenen Jahres zählen, ist auf den ersten Blick besonders überraschend. Denn während internationale Finanzinstitute wie Merrill Lynch, Deutsche Bank und sogar die konservative Schweizer Großbank UBS mit horrenden Fehlspekulationen geschockt haben, blieben derartige Meldungen in Österreich bislang aus. Und nach Meinung vieler Experten dürften sie auch nicht mehr kommen. „Unsere Banken hatten es nicht nötig, strukturierte Finanzprodukte in großen Mengen zu kaufen“, weiß ­Stefan Maxian, Chefanalyst bei der RCB. Der Grund: Sie wuchsen auch so, und zwar in Osteuropa.

Wie etwa die Erste Bank. Das Wiener Geldinstitut wird 2007 voraussichtlich um mindestens 25 Prozent mehr Gewinn er­wirtschaften und so rund 1,2 Milliarden Euro verdienen. Die Bank expandierte vor allem in Ungarn, Kroatien und Tschechien. „Das zeigt einmal mehr die Stärke unseres Geschäftsmodells, das uns langfristig ein solides Wachstum sichert und uns nicht in risikoreiche Wertpapier- und Derivatgeschäfte drängt“, resümiert Erste-Bank-Boss Andreas Treichl zufrieden.

Die boomende Nachfrage nach Rohstoffen bescherte dagegen dem Stahlriesen voestalpine ein weiteres Rekordergebnis. Der Linzer Konzern erwirtschaftete so in den ersten drei Quartalen 2007 bereits den Umsatz des Vorjahrs. Analysten schätzen, dass der Stahlkocher, der vergangenes Jahr mehrheitlich die Böhler-Uddeholm übernahm, 2007/08 gut 760 Millionen Euro verdienen wird. „Die Voest, aber auch andere heimische Konzerne wie Palfinger oder An­dritz, konnten wegen ihrer sehr guten Qualität die Preiserhöhung bei Primärstoffen weitergegeben“, erklärt CAIB-Chef­analyst Alfred Reisenberger den Hintergrund der hohen Gewinne. Unternehmen wie die voestalpine brauchen dennoch keine sinkenden Absatzzahlen zu fürchten, weil es für Stahl kaum bil­lige Substitute gibt und auch die Mitbewerber ArcelorMittal und ThyssenKrupp ihre Preise in die Höhe geschraubt haben. Entsprechend zuversichtlich ist Voest-Boss Wolfgang Eder: „Wir gehen für 2008 von einem stabilen Konjunktur­verlauf auf gutem Niveau und einer entsprechenden Ergebnisentwicklung aus.“

Die Auftragsbücher der österreichischen Unternehmen sind voll, und vor allem exportorientierte Firmen profitierten überdurchschnittlich von der guten Weltkonjunktur. Die negativen Tendenzen in der US-Wirtschaft und der starke Euro trafen die österreichischen Ausfuhren bislang kaum. Die heimischen Konzerne liefern einen Großteil ihrer Waren nicht in die USA, sondern nach Deutschland und Osteuropa, und dort läuft die Wirtschaft noch immer prächtig.

Dennoch rechnen Ökonomen mit ei­nem leichten Abschwung der Weltkonjunktur und auch mit einer Abwärtsbe­wegung in Europa. „Im ersten Halbjahr 2008 wird es voraussichtlich zu einer Konjunkturdelle in den USA kommen, die im zweiten Halbjahr auch Europa erreichen wird“, glaubt RCB-Experte Stefan Maxian. Die Folge: Die Gewinne werden 2008 zwar weiter wachsen, aber nicht mehr so stark wie 2007.

Bleibt ein Wermutstropfen: Hohe Gewinnzuwächse verzeichnen fast ausschließlich große Konzerne. „Je kleiner und je binnenorientierter ein Betrieb ist, desto weniger spektakulär sind dessen Profite“, analysiert Michael Peneder, Industrieökonom beim Wirtschaftsforschungsinstitut. Das Motto „Small is beautiful“ hat ausgedient.

Von Natalie Amann, Barbara Nothegger

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