Bewegter Kunstmarkt ist ein Spiegel der Zeit

Gustav Klimts „Adele Bloch-Bauer II“ erzielte zuletzt mit 87,9 Millionen Dollar den Höchstpreis. Drei ExpertInnen diskutieren die Kunstmarktpreise.

Der Kunstmarkt ist kein homogener Markt. In der Galerie habe ich fast ausschließlich mit Arbeiten von lebenden, meist jungen Künstlern zu tun und beziehe ihre Werke aus dem Atelier – der Preis ergibt sich hier auch aus Nachfrage, Ausstellungsbeteiligungen, Documenta-, Biennale- etc. -Teilnahme, Interesse der öffentlichen Sammlungen, der sehr gut informierten Kuratoren und privater Sammler.

Da es in diesem Bereich – der vor allem jungen, zeitgenössischen Positionen – keine großen finanziellen Erwartungen beim Ankauf einer Arbeit gibt, werden Ankäufe meistens ohne Spekulationen getätigt. Natürlich gibt es Ausnahmen vor allem in den USA und in London. Dort erobern auch zeitgenössische Künstler den Markt: Baselitz, Damien Hirst, John Bock, Jonathan Meese und die Leipziger Maler – vor allem Neo Rauch, Peter Doig oder ein junger polnischer Künstler, Wilhelm Sasnal, Shooting Star der letzten Miami-ArtBasel-Messe.

Die Wartelisten sind lang, und sogar internationale Museen müssen sich anstellen, um eine Arbeit kaufen zu können, und durch solide Galeriearbeit können auch Künstler aus Österreich mit ihren Arbeiten interessante Preisentwicklungen haben, z. B. Valie Export, Franz West, Gelitin, Hermann Nitsch etc.

Diese hohen Preisentwicklungen werden aber vor allem am „Secondary“-Markt und von den Auktionshäusern entwickelt. Hier spielen die Preise verrückt – da geht es um schnelle Gewinne. Aber auch um Trophäen, die ein privater Sammler für sich erobert. Nachvollziehbare Beweggründe existieren nicht, die immensen Beträge haben keinen rationalen Hintergrund und folgen keinen Marktgesetzen. Kunst erschafft sich die Dimension selbst, in der sie erscheint – wenn man von der Bedeutung eines Landes spricht, wird man von der Bedeutung der Kunst sprechen, die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort möglich war. Kunst ist eine besondere Art der Zeitbestimmung, sie dokumentiert Zustände, sie dokumentiert auch den Markt – d. h., die erzielten Preise spiegeln atmosphärisch Momente von Kultur. Vielleicht ist der bewegte Kunstmarkt ein Spiegel …

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