Bewährtes vorziehen statt Strukturen ändern

Ein Team schwedischer Gesundheitsökonomen setzte Österreich kürzlich auf Platz eins der Bestenliste der europäischen Gesundheitssysteme. Danach hat unser Land die herausragendsten medizinischen Behandlungserfolge und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter 29 europäischen Staaten. Dennoch werden seitens der Gesundheitspolitik im Rahmen staatlicher Sparkonzepte immer wieder strukturelle Umwälzungen unseres bewährten Systems angedacht. Zuletzt diskutierte man im Rahmen des Finanzausgleichs über die Einführung so genannter ambulanter Versorgungszentren. Diese Einrichtungen hätten für die Patienten ein Abgehen von der gewohnten individuellen Betreuung beim Arzt des persönlichen Vertrauens hin zu Einheitsleistungen nach Staatsvorgaben in anonymen Großambulanzen gebracht. Die Ärzteschaft hat sich erfolgreich gegen die Verwirklichung dieses veralteten staatsmedizinischen Versorgungsmodells gewehrt. Denn was wir für unsere Patienten benötigen, ist keine neue zusätzliche Struktur nach dem Vorbild überholter Gesellschaftssysteme (Polikliniken), sondern ein Ausbau und eine Aufwertung der vorhandenen Ressourcen. Deshalb sollte die Gesundheitsministerin den wohnortnahen niedergelassenen Ärzten den Zusammenschluss in Gesellschaften unter ärztlicher Leitung ermöglichen.

Ärzte könnten damit andere Ärzte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe anstellen und so weitaus flexibler auf die Bedürfnisse ihrer Patienten eingehen als bisher: beispielsweise, was Öffnungszeiten, aber auch Leistungen wie etwa Hausbesuche angeht. Diese Gemeinschaftspraxen könnten dem steigenden Betreuungsbedarf der älter und gebrechlicher werdenden Bevölkerung Rechnung tragen und die Spitäler sinnvoll entlasten. Und sie könnten sich an dem bewährten Kassensystem, seinen Gesamtverträgen und Stellenplänen orientieren, ohne das Gesundheitssystem gleich auf den Kopf zu
stellen. Es ist zu hoffen, dass die Politik unter dem Motto „Bewährtes ausbauen und nicht zerschlagen“ endlich die Weichen in diese Richtung stellt.

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