Bestechung ist ein riskantes Unterfangen

In Österreich die Eurofighter-Causa, in Deutschland der Siemens-Skandal: Vier Experten über Korruption, Bestechung und Schmiergeld.

Schmiergeld ist ein irreführender Begriff. Zu „schmieren“ klingt nach einer Beschleunigung oder Erleichterung von Entscheidungen. Oft ist das Gegenteil der Fall: Bestechung ist ein riskantes Unterfangen.
Zumindest in entwickelten Demokratien ist Korruption nicht nur verboten, sondern auch gesellschaftlich wenig akzeptiert. Sowohl die Bestechlichkeit konkreter Entscheidungsträger als auch die Höhe einer „erwarteten“ Leistung sind daher nicht transparent (überhaupt zu bestechen kann eine Anklage, zu wenig zu bezahlen den Verlust der Summe zur Folge haben). Bestechungsgelder zu bezahlen macht beide Seiten erpressbar. Korruptive Beziehungen funktionieren daher vor allem dann, wenn sie langfristig eingespielt sind – was für neue Bieter die Intransparenz und die Markteintrittskosten (und für die Öffentlichkeit die Kosten für Beschaffungen) weiter erhöht.

Die „internen“ Kosten für Unternehmen sind ebenfalls zu bedenken. Da Bestechung strafbar ist, sollen die Unternehmensspitzen besser nicht wissen, was ihre lokalen Repräsentanten im Ausland tatsächlich machen (bei Bestechung als Unternehmenspolitik sind mittlerweile auch juristische Personen strafbar). Warum aber sollten Unternehmen darauf vertrauen können, dass ihre Repräsentanten nur „uneigennützig kriminell“ agieren und sich nicht auf Kosten des Unternehmens selber einen Teil der Beute sichern?

Auf dem Papier ist der Ausweg einfach – nämlich die Schaffung von Spielregeln, unter denen Korruption nicht notwendig oder für die Beteiligten zu riskant ist. Die Antikorruptionspolitiken und -konventionen von EU (gegenüber Beitrittskandidaten), Europarat, OECD und UNO gehen in diese Richtung: Repression von Bestechung, Verbesserung von Governance und Markttransparenz. In der Praxis bleibt Korruption dennoch Teil des informellen Agierens vieler Unternehmen – und wird von den Beteiligten auch nicht kritisch hinterfragt, ob deren Notwendigkeit nicht in vielen Fällen nur ein Mythos ist.

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