Beben an der Zinsfront

Investoren haben sich auf höhere Inflation und steigende Zinsen einzustellen. FORMAT zeigt, auf welche Art Sie Ihre Veranlagung und Kredite den neuen Gegebenheiten anpassen können.

Mehr als zwei Jahre ist es her, dass Bundesanleihen so massiv absackten wie im Oktober. Der Kurs zehnjähriger Papiere ist seit 21. September um fast drei Prozent gefallen – in der aktuellen Niedrigzinsphase entspricht das fast einem Jahreskupon solcher Titel. Gerade für vorsichtige Anleger ist die Entwicklung schmerzhaft, denn von den ohnehin bescheidenen Zinszahlungen müssen nun, im Falle eines Verkaufs vor Laufzeitende, auch noch Kursverluste in Abzug gebracht werden.

Nachdem die Renditen von Anleihen jahrelang auf Talfahrt waren und heuer bereits mehrmals neue historische Tiefstände markiert haben, hat sich dieser Trend nun endgültig umgekehrt. Von Tiefständen um die drei Prozent ist die Rendite zehnjähriger Staatspapiere mittlerweile wieder auf 3,4 Prozent gestiegen. Der Grund dafür liegt vor allem in steigenden Inflationsraten.

Notenbanken unter Zugzwang. Nachdem die Teuerung jahrelang deutlich unter zwei Prozent gelegen hatte, ist sie nun dank extremer Preissteigerungen bei Industriemetallen, Stahl, aber vor allem Öl wieder auf dem Vormarsch. Im September erreichte sie in der EU beachtliche 2,6 Prozent, in den USA sogar 4,7 Prozent. Das bringt die Zentralbanken, deren Ziel die Erhaltung der Preisstabilität ist, unter Zugzwang. Seit Juli 2004 hat Alan Greenspan, der

Ende Jänner 2006 nach 18 Jahren als Chef der US-Notenbank in Pension geht, den Leitzins in zwölf Schritten von einem auf vier Prozent erhöht. Und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Von seinem designierten Nachfolger Ben Bernanke wird die Festsetzung eines fixen Inflationsziels erwartet, was bis Herbst 2006 zu weiteren Zinsschritten führen dürfte. Experten erwarten sich bis dahin einen Anstieg der Geldmarktsätze auf bis zu 5,5 Prozent.

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