Bankhäuser bunkern erbarmungslos Bares:
Wirtschaft beklagt knausrige Kreditvergabe

Letztendlich waren 1,5 Millionen Euro ausschlaggebend für das Schicksal des ÖSV-Skiausrüsters Anzi Besson. Dieser Betrag hatte gefehlt, um das Unternehmen weiter am Leben zu erhalten. 1,5 Millionen Euro, die der Eigentümer Erste Bank nicht zuschießen wollte und die auch der Kreditgeber UniCredit nicht bereit war zu zahlen. Letzte Woche wurde über den ÖSV-Ausrüster schließlich der Konkurs eröffnet. Besson ist kein Einzelfall in der Krise. Klagen der Wirtschaft, dass ihr das Geld fehlt, obwohl Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt wurden, sind keine Seltenheit mehr. Insbesondere seit die Quartalszahlen der heimischen Großbanken bekannt geworden sind und darunter keine Katastrophen zu finden waren.

Ganz im Gegenteil – viele Analysten zeigen sich ob der soliden Zahlen überrascht. Stellvertretend für die Unternehmen macht KTM-Chef Stefan Pierer seinem Unmut über die Banken Luft: „Kredite kosten doppelt so viel wie vor der Krise. Die reale Wirtschaft zahlt die Zeche der Finanzwirtschaft.“

Deutschland hat die Verzweiflung führende Wirtschaftsverbände sogar dazu getrieben, ihr Leid Kanzlerin Angela Merkel zu klagen. Die Kreditverknappung sei für die Firmen bedrohlich, nicht einmal gesunde Unternehmen bekämen mehr Geld, die Liquiditätsprobleme nähmen existenzbedrohliche Formen an, wird in dem Schreiben gewarnt. In Österreich ist der Widerstand in der Wirtschaft bislang erst punktuell zu finden, dafür aber umso deutlicher. Pierers Beobachtungen werden auch von Wolfgang Reithofer, Chef des gebeutelten Baustoffkonzerns Wienerberger, untermauert: „Natürlich ist es nicht einzusehen, wenn die Banken ihre Ergebnisse mit Unterstützung des Staates auf Kosten der Realwirtschaft und der Steuerzahler verbessern. Die Regierung muss nun sehr genau prüfen, ihre Kontrollaufgabe ernst nehmen und darauf achten, dass nicht die Realwirtschaft und der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden.“ Ähnlich dramatisch wie Reithofer sieht die Problematik der Vorsitzende der Jungen Industrie, Martin Ohneberg: „Die guten Ergebnisse der Banken spiegeln sich in der schlechten Situation der Wirtschaft wider.“ Die Banken hätten das Geld, das sie vom Staat bekommen, regelrecht eingebunkert.

Kreditvolumen stagniert
Laut Nationalbank stagnierte das Kreditvolumen heimischer Geldinstitute an Unternehmen in den vergangenen Monaten – Ende März lag der Stand bei rund 135 Millionen Euro. Und das, obwohl Banken, die Partizipationskapital vom Staat erhalten haben, eine bestimmte Summe an Neukrediten ausgeben müssen. Bei der Erste Bank sind das in den nächsten drei Jahren mehr als drei Milliarden Euro. „Wir haben derzeit sogar sechs Milliarden Euro für Neukredite reserviert. Die Kredite werden uns aber nicht gerade aus der Hand gerissen“, begründet Erste-Sprecher Thier. Bei Neukrediten sei die Zahl zurzeit gar rückläufig. Auch in der Bank Austria spricht man von einem „nahezu zweistelligen Rückgang“.

Reformen eingefordert
Aber nicht allein die Knausrigkeit der Banken wurmt einige Unternehmer, auch die ausbleibenden Reformen werden kritisiert. Wurde kurz nach Ausbruch der Krise noch lauthals nach schärferen Bilanzregeln, härteren Eigenkapitalvorschriften und einer EU-weiten Finanzaufsicht gerufen, sind diese Themen jetzt in den Hintergrund gerückt. Strengere EU-weite Eigenkapitalvorschriften sollen erst im Oktober 2010 umgesetzt werden. Für Experten viel zu spät. „Man fragt sich, wie das der Bewältigung der derzeitigen Kreditkrise dienen soll“, so etwa Freshfields-Anwältin Maria Pflügl.

Auch sonst hat sich für die Banken nicht allzu viel geändert: Während es in vielen Unternehmen Kurzarbeit gibt und, wie zuletzt beim Autozulieferer Polytec, Beteiligungsverkäufe das Überleben sichern müssen, bleiben derartige Maßnahmen bei den Banken weitgehend aus. Dafür machen andere Schlagzeilen aus der Bankbranche wieder verstärkt die Runde: Die Boni der Banker steigen wieder langsam, und dort, wo sie wegen staatlicher Auflagen nicht steigen dürfen, werden eben die Fixgehälter erhöht.

Angelika Kramer, Barbara Nothegger

Lesen Sie im FORMAT 25/09, warum Einpersonen-Unternehmen die Bankenpolitik beurteilen!

Karrieren

Studie: Wie Unternehmer ticken, was sie antreibt

Wirtschaft

Rapid Wien - Der Doppelpass auf der Rasierklinge

Wirtschaft

Volkswagen investiert 44 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien