Banken-Coup: Der schwarze Griff nach der BAWAG

Der neue ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl will bei der „roten“ Bawag einsteigen – allein oder mit der deutschen Ergo-Versicherung. Die Gespräche mit der BayernLB sollen im März starten.

Franz Pinkl kämpft mit seiner Ungeduld. Zwar hat der frisch gebackene Generaldirektor der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) seine „größte Schwäche“ für gewöhnlich fest im Griff. Doch seit seinem Amtsantritt vor drei Wochen liegen auch die Nerven des 47-jährigen Topbankers blank. Denn das Volksbanken-Urgestein Pinkl wartet derzeit in seinem neuen Büro in der Wiener Peregringasse 3 auf einen wichtigen Rückruf. Der prominente Anrufer heißt Werner Schmidt und ist Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank (BayernLB). Pinkl gegenüber FORMAT: „Ich habe um einen Gesprächstermin mit Herrn Schmidt gebeten, der in den nächsten Tagen telefonisch bestätigt wird.“ Die Gespräche sollen noch im März beginnen.

Pinkls Unruhe ist nachvollziehbar. Denn immerhin dient das bevorstehende Gipfeltreffen zwischen BayernLB-Boss Schmidt und ihm nur einem einzigen Zweck: dem Ausschnapsen einer neuen Eigentümerstruktur für die Bawag-PSK-Gruppe. An der drittgrößten Bank Österreichs mit einer konsolidierten Bilanzsumme von 52 Milliarden Euro halten die Bayern derzeit 46,43 Prozent. Der Rest wird vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) kontrolliert.

Geht es nach dem Willen der beiden Banker Schmidt und Pinkl, dann werden sich die Eigentumsverhältnisse in der Bawag schon bald ändern. Die Bayern wollen ihr Paket so schnell wie möglich loswerden, weil alle bisherigen Anstrengungen, die Macht in der Bawag zu übernehmen, am ÖGB-Veto kläglich gescheitert sind. Und mit dem Mitglied des VP-Wirtschaftsbundes Pinkl, „freiwilliger Feuerwehrmann“ aus dem niederösterreichischen Ternitz, wartet ein potenzieller Käufer, der an einer Kapitalverflechtung mit der tiefroten Bawag brennend interessiert ist. Immerhin ließen sich dadurch für die ÖVAG millionenschwere Synergien lukrieren. Denn die beiden Geldhäuser weisen tatsächlich kaum geschäftliche Überschneidungen auf.

Zwei Strategien. Derzeit diskutieren die Konzernstrategen in München zwei Szenarien mit der ÖVAG in der Hauptrolle: den in FORMAT 42/03 exklusiv berichteten Thalhammer-Plan und einen überraschenden Deal mit der deutschen Ergo-Versicherung. In beiden Fällen soll die Eigenständigkeit von Volksbanken AG und Bawag-PSK unangetastet bleiben.

Das Szenario Numero eins wurde vom verstorbenen Klaus Thalhammer entwickelt. Bereits im Sommer des Vorjahres präsentierte der damalige ÖVAG-Chef den Bayern sein Konzept einer austro-bayerischen Bankenholding. Zwischen Schmidt und Thalhammer kam es sogar zu einer grundsätzlichen Einigung, die in der Woche vom 22. bis 27. September 2003 vertraglich besiegelt werden sollte. Die Vertragsunterzeichnung kam aber nicht zustande. Denn Klaus Thalhammer starb überraschend am 22. September. Daraufhin wurden die Gespräche mit den Bayern bis auf weiteres sistiert. Zurück blieb ein Machtvakuum in der ÖVAG-Führung.

Das Vakuum löste sich auf, als der Chef der Volksbank Niederösterreich-Süd und gleichzeitige ÖVAG-Aufsichtsratsboss Franz Pinkl zum Thalhammer-Nachfolger gekürt wurde. Pinkl, der „in alle strategischen Entscheidungen“ seines Vorgängers miteingebunden war, hält am Thalhammer-Kurs fest: „Die Richtung, die Klaus Thalhammer für die ÖVAG eingeschlagen hat, war und ist die richtige. Ich werde nichts daran ändern.“ Für Kontinuität ist damit gesorgt.

Der so genannte Thalhammer-Plan sieht vor, dass die Volksbanken ihren Bawag-Anteil von derzeit null auf insgesamt 25,57 Prozent ausbauen und danach mit dem BayernLB-Paket in einer neu zu errichtenden, in Wien domizilierten Bankenholding bündeln. Die ÖVAG kauft demnach für rund 630 Millionen Euro exakt 21 Prozent von der BayernLB, die sich auf eine Sperrminorität von 25,43 Prozent zurückzieht, und weitere 4,57 Prozent vom ÖGB. Während die Holding dann insgesamt 51 Prozent an der Bawag kontrolliert, hält der ÖGB nur noch 49 Prozent.

Dem Gewerkschaftsbund wird der Machtverlust durch einen neuen Syndikatsvertrag abgegolten. Das Papier garantiert ihm nicht nur ein Vorkaufsrecht, sondern verankert ÖVAG und ÖGB als österreichische Kernaktionäre, die bei bestimmten Themen im Aufsichtsrat einheitlich abstimmen.

Für BayernLB-Chef Schmidt, der die Gespräche mit der ÖVAG nicht näher kommentieren will, bringt der Thalhammer-Plan auch einige pekuniäre Vorteile: Satte 630 Millionen Euro schwemmt der Teilverkauf in die Kassen der Münchner. Zudem bekommt Schmidt durch die Holdingkonstruktion die lang ersehnte „unternehmerische Führung in der Bawag“. Dadurch wird nicht nur
eine Quotenkonsolidierung der Bawag-Anteile möglich, sondern auch bislang gebundenes Eigenkapital für die Sanierung der maroden BayernLB-Bilanz frei.

Die Volksbanken kostet der Deal zunächst eine schöne Stange Geld, das durch künftige Synergien aus gemeinsamer Produktentwicklung und neuen Vertriebswegen wieder hereingespielt werden soll. Insgesamt muss ÖVAG-Chef Pinkl rund 767 Millionen Euro budgetieren.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Nr. 1: Thalhammer-Plan / Nr. 2: „Ergo“-Lösung
PLUS: Der „harmonische“ Volksbanken-Sektor

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