Babylonische Geschäfte

Babylon-Chef Peter Bretterklieber will Salzburgs Schlosshotel Mönchstein in ein Luxus-Freudenhaus verwandeln.

Mit 14 Millionen Euro Passiva ist Ende Oktober das Salzburger Luxushotel Schloss Mönchstein Pleite gegangen. Über die Mönchstein Immobilien AG und die Schloss Mönchstein Betriebs GmbH hat das Landesgericht Salzburg ein Konkursverfahren eröffnet. Für rund fünf Millionen Euro wird Masseverwalter Christoph Brandweiner die Traditionsimmobilie, die bisher im Besitz der Familie Gabrielli-Schwarz stand, veräußern.

Einer der Interessenten für die Fünf-Sterne-Herberge ist ein Unternehmer, der trotz erstaunlichen wirtschaftlichen Höhenflugs am liebsten im Hintergrund bleibt. Er heißt Peter Bretterklieber, ist 53 Jahre alt und als einstiger Schiffskoch mit dem horizontalen Gewerbe steinreich geworden.

Bretterklieber gehören drei Luxusbordelle für die oberen Zehntausend des Landes: das Babylon Wien, das Babylon Salzburg und das Klagenfurter Schloss Freyenthurn. Rund 18 Millionen Euro geben betuchte Herren dort jährlich aus. Der Dreh dabei: Der Selfmademan mit dem diabolischen Blick hat den Seitensprung im Freudenhaus gesellschaftsfähig gemacht. In der Wiener High Society ist es durchaus schicklich, sich unter Freunden als Babylon-Kunde zu outen.

Bretterklieber will nun den gotischen Salon des Schlosshotels im Mönchsberg Park oder etwa dessen Maria-Theresia-Suite (Zimmerpreis bisher: 739 Euro pro Nacht) für seine Zwecke adaptieren. Im Bewusstsein seiner heiklen Mission in der biederen Mozartstadt hat er bereits bei der Stadtverwaltung vorgesprochen. „Als Hotel ist die Immobilie mit nur 23 Zimmern nicht lukrativ zu führen“, argumentiert er. „Ich habe in Salzburg ein wunderbares Haus, das aber aus allen Nähten platzt. Deshalb bin ich interessiert“ (siehe Exklusiv-Interview im neuen FORMAT).

Zur Firmenphilosophie Bretterkliebers würde auch der Slogan des Hotels passen: „Ein Paradies auf Erden – einzigartig in Service, Lage und Tradition“. Denn an Schmuddelbars und Rotlichtmilieu erinnern seine Etablissements so wenig wie das Hotel Imperial an eine Vorstadtpension mit Etagendusche: Zur Ausstattung gehören Spiegel aus Muranoglas, Böden aus blauem Bahia-Marmor, sündteurer Designerpomp von Philippe Starck oder eine gleich 240 Quadratmeter große „Präsidentensuite“ (mit zwei mindestens acht Quadratmeter großen Betten).

Bretterkliebers weibliches Personal, darunter eine diplomierte Sängerin aus Wien und eine Juristin aus Weißrussland, versteht es, in mehreren Sprachen salopp über Weltkonjunktur oder die US-Wahlen zu plaudern. „In Relation zu unserem Angebot sind wir eigentlich viel zu billig“, meint Bretterklieber. Er nimmt 400 Euro Pauschalpreis für ein mehrgängiges Menü, freie Getränke (exklusive Champagner) und eine Stunde im Separee.

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PLUS: Babylon-Eigentümer Peter Bretterklieber im FORMAT-Interview über seine Expansionspläne, sein Geschäftsmodell und die Ehe

Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums in Wien.

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