Autofrühling: Preissturz am Automarkt

Nie waren mehr Tageszulassungen am Markt. Solche Autos wurden noch keinen einzigen Kilometer gefahren und sind doch bis zu einem Viertel billiger.

Die Simmeringer Hauptstraße in Wien ist ein Geheimtipp für Autokäufer. Dort liefern einander die vis-à-vis gelegenen Autohäuser Benda und Havelka eine brutale Schlacht um jeden Honda-Kunden. Bis zu zwölf Prozent Nachlass beim Kauf eines neuen Akkord sind möglich, was 3.600 Euro Ersparnis gegenüber dem Listenpreis bedeutet.

Die seit 1. Oktober 2003 geltende GVO (Gruppenfreistellungsverordnung) für den Autohandel sollte die Verhandlungsspielräume der Händler eigentlich einschränken. Dennoch bringt ausgerechnet dieser Autofrühling eine noch nie da gewesene Lawine an Zuckerln für die Kundschaft. Denn die härtere Konkurrenz im flauen Markt zwingt die Händler jetzt erst recht zu Rabatten und Schleuderpreisen über so genannte Tageszulassungen. Zudem werden Importe aus billigeren EU-Ländern einfacher.

Mit der EU-Osterweiterung ab dem 1. Mai locken auch Ungarn und Slowenen zur Schnäppchenjagd – mit Ersparnissen von 25 Prozent und mehr. Bei Luxusautos wie Porsches lohnt sich dank niedrigem Dollarkurs sogar der aufwendige Eigenimport aus den USA. „Für die Händler wird es hart“, so der Tenor der Autoanalysten, „doch die Kunden können sich die Hände reiben.“

Hohe Rabatte. Wie hoch Preisnachlässe tatsächlich ausfallen können, zeigt ein Mystery-Shopping von FORMAT. Ein Wiener Händler offeriert einen nagelneuen Audi A8 4,2 V8 quattro (Listenpreis: 91.300 Euro) um 12.782 Euro billiger. Der VW Phaeton kostet bei einem Wiener Autohaus um zehn Prozent weniger als in der Liste.

Selbst BMW-Händler steigen im Ernstfall vom hohen Ross und feilschen: Während das Thema Rabatte in der Salzburger BMW-Zentrale tabu ist, gibt es den 545i (Listenpreis: 74.363 Euro) mit Österreichpaket bei einem großen Wiener Autohaus um minus sieben Prozent. Besonders in der Mittelklasse kann man Rabatte erzielen. 13 Prozent Nachlass bekam FORMAT in Salzburg für den Renault Mégane (Grandtour 1,5 dCi). Der Toyota Avensis Kombi 2,0 D-4D war in der Mozartstadt, trotz neuer GVO, um neun Prozent günstiger: „Wenn Sie vorbeikommen, sind noch ein paar Extras drin.“

Opel & Beyschlag setzt die Rabattgrenze bei 12 Prozent für Signum und Vectra an – außer der Kunde ist Selbständiger. Beyschlag-Chef Johannes Hall: „Dann kommen weitere drei Prozent Flottenrabatt dazu“ – auch wenn es nur um einen einzigen Wagen geht.

Mit so viel Verhandlungsbereitschaft der Händler hatten auch die Importeure nicht gerechnet. Sie haben im Oktober die Spannen gekürzt und zum Ausgleich Sondermodelle auf den Markt geworfen. Die Kundschaft kann jetzt Rabatte lukrieren und trotzdem aus Sondermodellen wählen. Preisbeispiel: Der Volvo S 60 Black Edition mit Leichtmetallfelgen, Ledersitzen und beheizbaren Vordersitzen kostet ab 30.344 Euro, was 3.215 Euro Ersparnis bedeutet. Bei geschicktem Verhandeln sind noch einmal bis zu 2.000 Euro Nachlass drin.

Mit zahlreichen Sondermodellen wird auch der auslaufende VW Passat gepusht. Finanziell besonders attraktiv ist der Passat GT. Er protzt mit feinem Interieur wie Alcantara-Ledersitzen und Holzdekoreinlagen. Dabei ist der Wagen bei Preisen ab 28.780 Euro um satte 4.000 Euro billiger als das Serienmodell.

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