Autobranche: Mit Turbo aus dem Tief

Nach schwachen Absatzzahlen in Europa und den USA steht die Autobranche unter Druck. Am Genfer Autosalon zeigt sie, wie sie in Zukunft die Verkäufe ankurbeln möchte.

Martin Winterkorn, Chef der VW-Gruppe, weiß, was auf dem Spiel steht, wenn am zweiten März-Wochenende am Genfer Autosalon der neue Audi A4 Avant präsentiert wird. Schließlich soll der neue Kombi der VW-Tochter 2008 eines der Zugpferde in diesem Jahr werden. Einen neuen Absatzrenner haben die Ingolstädter Autoproduzenten auch dringend nötig. Denn im Vorjahr sind die Neuzulassungen im volumenstarken europäischen Heimmarkt mit minus 1,3 Prozent auf 2,8 Millionen Stück stärker zurückgegangen als in der Vergangenheit. Insgesamt kämpft die Gruppe bereits seit 2005 mit sinkenden Absatzzahlen. Doch VW ist bei weitem kein Einzelfall.

Auch andere, vor allem europäische und amerikanische Hersteller stehen massiv unter Druck. Jenseits des Atlantiks ist die Zahl der Neuzulassungen im Jahr 2007 um etwa drei Prozent auf 16 Millionen verkaufte Autos gesunken. Im Vorjahr ging sich in Europa mit 14,7 Millionen verkauften neuen Autos gerade einmal ein Zuwachs von 0,2 Prozent aus. Der Markt in Europa stagniert seit Jahren. Doch nachdem im Vorjahr einzelne Länder erhebliche Einbußen verzeichneten, ist die Branche alarmiert. So verbuchte Deutschland ein Minus von 9,2 Prozent. „Das schwache Ergebnis hat den ge­samten europäischen Markt massiv nach unten gezogen“, analysiert Joanna Smolinska von der Europäischen Vereinigung der Fahrzeughersteller in Brüssel. In Österreich kämpft die Branche mit einem Rückgang von 3,9 Prozent. Im Jahr davor war die Zahl der Autokäufe in beiden Ländern noch gestiegen.

Zu den größten Verlierern zählten in Europa die Modelle von Mazda mit minus 6,9 Prozent, gefolgt von Renault (–5,5 Prozent) und VW (–4,1 Prozent). Trotz der schwachen Ergebnisse in den absatzstärksten Automärkten USA und Europa steht die Branche nicht schlecht da: Der weltweite Automobil­absatz legte um fünf Prozent zu. Für den Ertragsturbo sorgten zum wiederholten Mal die Schwellenländer. Die höchste Nachfrage herrschte in China, wo 2007 um 34 Prozent mehr Pkws verkauft wurden als im Jahr davor.

Geht es nach den Prognosen der Auto­hersteller, soll der weltweite Absatz auch 2008 kräftig steigen. So rechnet Renault mit einem Zuwachs von zehn Prozent, Fiat mit zehn Prozent und Toyota mit fünf. Doch angesichts eines wirtschaftlichen Abschwungs, teurer Rohstoffe und steigender Kosten für kreditfinanzierte Käufe sehen die Autoexperten der US-Investmentbank Goldman Sachs für dieses op­ti­mistische Szenario schwarz. Sie prognos­tizieren einen Rückgang bei Neuzulassungen von weltweit um 0,2 Prozent.

Die negativen Einflüsse bekommen schon jetzt besonders die Hersteller großer Autos wie Mercedes, Chrysler und General Motors zu spüren, denn gekauft werden vor allem kleine und billige Modelle. Das billigste Auto eines europäischen Herstellers, der Dacia Logan von Renault, hat etwa in Europa die Konkurrenz mit einem Plus von 96 Prozent kilometerweit hinter sich gelassen. Um im Kampf um Marktanteile besser zu bestehen, starten zahlreiche Autohersteller derzeit ein echtes Produktfeuerwerk. VW will bis 2010 rund 20 neue Modelle auf den Markt bringen, ähnlich stark soll die Modellpalette auch bei BMW, Toyota und Renault erweitert werden. Die neuen Autos kennzeichnen vier Trends.

Die Hersteller bringen jetzt zahlreiche Kleinwagen auf den Markt. Beim Auto­salon in Genf werden gleich sieben Modelle debütieren – darunter der Fiat 500 Abarth und eine Sparversion des Cinquecento. Hyundai kommt mit dem i10 und Chevrolet mit dem Aveo. Toyota enthüllt die Serienversion des Knirpses iQ, und Ford zeigt seinen neuen Fiesta. Damit sind die Europäer mit ihren Novitäten am Kleinwagensektor gegenüber den Asiaten allerdings im Hintertreffen. Das soll sich ändern. Nach Berechnungen des Automarktforschers Ferdinand Dudenhöffer werden in den nächsten vier Jahren 51 neue Kleinwagen lanciert, darunter zahlreiche Europäer.

Lange haben es sich die großen west­lichen Hersteller von den Asiaten vor­­machen lassen, wie ein Geländewagen ohne harte Geländetauglichkeit aussieht. Mittlerweile bieten auch Hersteller wie VW mit dem ­Tiguan und BMW mit dem X5 Modelle in diesem gefragten Segment an. Selbst auf dem gebeutelten deutschen Markt verzeichnete die SUV-Klasse einen Zuwachs von 1,9 Prozent. In Genf hat nun der Volvo XC60 seinen ersten Auftritt. Der zweite sportliche Geländewagen, der Saab 9-4X, steht schon in den Startlö­chern. Ford plant den Kuga.

Der Spaßfaktor kommt auch bei den neuen Sportwagenmodellen nicht zu kurz. Zu den schnittigsten Modellen, die am ­Genfer Salon präsentiert werden, zählt mit Sicherheit der neue Alfa 8C Spider, der 450 PS unter der Haube hat. Neue Kaufanreize sollen Autos mit ­Hyprid-, Gas- oder Clean-Diesel-Antrieb generieren. Bisher kommen die stärksten Gewinner fortschrittlicher Technologien noch aus Japan, allen voran Toyota, das mit seinen Hybridautos die Märkte er­obert. Das Unternehmen hat von dieser Mischung aus Benzin- und Elektro­antrieb bereits über eine Million Stück verkauft.

„Die europäischen Hersteller haben bisher kein einziges serienreifes Hybrid­auto auf den Markt gebracht“, so Wolfgang Albrecht, Autoanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. Doch die gro­ßen Hersteller arbeiten bereits fieberhaft daran. VW will Hybridtechnik bei kleinen Fahrzeugen anbieten. BMW und Daimler wollen Diesel-Hybrid-Antriebe für große Geländewagen wie den X5 entwickeln. Auch Gasautos liegen im Trend. Die breiteste Palette offeriert Ford, das in Genf den Ford Mondeo Greenpower präsentiert.

Die Europäer haben dagegen bei spritsparenden Motoren die Nase vorn. So ­bieten Mercedes, Volkswagen und Audi spezielle Technologien unter der Marke „Clean Diesel“ an. „Über den gesamten Fahrzyklus sind die neuen Dieselmotoren spritsparender als ein Hybrid“, so Wolf-Dieter Hellmaier, Vorstand der Porsche-Holding in Österreich. BMW setzt bei ­seinen Motoren auf mehr Leistung und reduzierten Spritverbrauch.

Nicht nur neue Modelle, auch neue Märkte sollen den Verkauf ankurbeln. Die Zuwächse in den Schwellenländern kompensieren derzeit die Stagnation in den Kernmärkten. Die europäischen und amerikanischen Konzerne wollen daher ihre Position weiter ausbauen. Allein in China und Indien sollen im Jahr 2011 mehr als 16 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkauft werden (siehe Grafik Seite 63). Deshalb ha­ben die großen Autohersteller in den vergangenen zehn Jahren mehr als 150 Fabriken in China und Indien auf- oder ausgebaut.
Künftig wollen die westlichen Hersteller aber nicht nur fertigen, sondern auch neue Produkte für die Schwellenländer entwickeln. So will etwa Renault nach dem Einstieg beim russischen Autoriesen Avtovaz die dort produzierten Lada-Modelle modernisieren. Spielt jetzt auch noch die Konjunktur mit, so sollten laut Goldman Sachs die weltweiten Neuzulassungen nach dem heurigen Rückgang bald wieder steigen. Ab 2009 um etwa fünf Prozent pro Jahr.

Von Anneliese Proissl, Arndt Müller

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