Autobranche will Förderungen statt Luxussteuer

Die EU-Kommission plant eine deutlich höhere Besteuerung für Pkws mit hoher CO2-Emmission. Vier Umwelt- und Auto-Experten diskutieren.

Wer kennt sie nicht: riesige, protzige Geländewagen. Aber nicht in einsamen Wüstenlandschaften oder auf kurvigen Bergstraßen. Nein, ihre stolzen BesitzerInnen verstellen damit die bestens asphaltierten Straßen der Städte oder kutschieren sie durch verhältnismäßig flaches Land. Wer sie fährt, ist sportlich, dynamisch – und hat Geld. Protzautos sind halt schick.

Dicke Luxuswagen stehen aber auch für dicke Luft. Die gewichtigen Karossen haben viel PS, dürsten nach Unmengen Sprit und stoßen damit ungeheure Mengen an CO2 aus. Kohlendioxid also, der Klima-Killer Nummer eins.

Angesichts der spürbaren Auswirkungen des Klima-wandels will man in der Europäischen Union nun (nach zögerlichen Versuchen, auf freiwilliges Handeln der Autoindustrie zu warten) endlich spürbare Schritte setzen, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Umweltkommissar Stavros Dimas will bis zum Jahr 2012 den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von neuen Autos auf 120 Milligramm (von derzeit 161) pro Kilometer senken. Für Fahrzeuge über diesem Wert soll dann gelöhnt werden – die stolze Summe von 3.000 Euro.

Der EU-Politiker ist es leid, auf die Eigeninitiative der Autobranche zu warten. Die weist jede Verantwortung zurück. Man erfülle bloß die Wünsche der Konsumenten, und die wollen nun mal Prestigekutschen. Die europäischen Automobilhersteller beteuern, umweltschonende Alternativen seien längst entwickelt, nur die Käufer müssten umgestimmt werden. Statt Luxussteuern bevorzugt die Autobranche freilich steuerliche Förderung von Spar-Autos. Erfahrungsgemäß führen aber empfindliche Mehrkosten rascher zum Umdenken. Damit könnte das vielzitierte Drei-Liter-Auto endlich in Mode kommen. Denn: Zahlen ist nicht schick. Wer’s noch immer nicht kapiert, wird sein Geländeauto vielleicht in gar nicht so ferner Zukunft brauchen, um aufgrund der Klimakatastrophe durch verschlammte oder verödete Regionen zu kommen.

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