Authentizität als Falle

Authentizität als Falle

Führungskräfte sollen vor allem authentisch sein. So lautet ein aktuell hoch gehandelter Managementleitsatz. Doch das Beharren auf Authentizität kann auch zur selbst gebastelten Falle werden, die jede Weiterentwicklung im Keim erstickt.

"Ich will mir selbst treu bleiben. Keinem etwas vormachen. Mich nicht verbiegen oder vereinnahmen lassen. Ich will ich sein. Authentisch!" (O-Ton eines Managers)

Ist das nicht ein Grundsatz, der unsere Bewunderung verdient? Das Verlangen, authentisch zu sein, ist unter Führungskräften Kult geworden. Authentizität gilt vielen Managern als entscheidendes Merkmal für Führungsqualität. Umfragen belegen: Authentizität halten sie für wichtiger als Fachkompetenz, Durchsetzungswillen, Sozialkompetenz oder Belastbarkeit.

Authentisch zu agieren, soll der Karriere nicht schaden. Ganz im Gegenteil. Manager, die auch unter schwierigen beruflichen Anforderungen bleiben, "wie sie sind", sich nicht Rollenerwartungen und (fremden) Leitbildern unterwerfen - so legen uns immer mehr Manager-Lehrer nahe -, sollen sich wohler fühlen, größeren Selbstwert empfinden, mehr leisten und von Mitarbeitern als kompetenter und freundlicher angesehen werden. Kurzum: Authentische Manager sollen schlicht die besseren Führungskräfte sein; Manager, mit denen jeder gerne, für (!) die jeder gerne arbeitet.


Ist es gut, wenn wir so sind und so bleiben wie wir sind? Oder blockieren wir damit womöglich sogar unsere persönliche Entwicklung, weil wir uns nicht mehr in Neuland wagen?

Das Bedürfnis, sich selbst zu erkennen, zu verstehen, zu bestimmen, was wirklich "echt" ist und schließlich bewahrt, geschützt, gefördert werden soll, wächst unaufhörlich. Es schafft einen boomenden Markt. Immer mehr Leute treten auf, die von sich behaupten, Suchenden den Weg zu Authentizität weisen zu können.

Dazu annoncieren diverse Veranstalter eine Unzahl von Seminaren. Onlinebuchhändler bieten in deutscher Sprache mehr als 300 Ratgeber an, die versprechen, authentisches Führen zu lehren. Ähnliche Titel in englischer Sprache gibt es mehr als zehnmal so viele. Die meisten kommen aus den USA. Business Schools werben in ihren Programmen für Executive Education, mit denen sie von weiterbildungswilligen Führungskräften stattliche Honorare kassieren, für Kurse zur Authentizität.

Bei aller Begeisterung wird allerdings gar nicht mehr gefragt: Wie beurteilen wir denn, wann wir authentisch sind? Und ist es gut, wenn wir so sind und so bleiben wie wir sind? Oder blockieren wir damit womöglich sogar unsere persönliche Entwicklung, weil wir uns nicht mehr in Neuland wagen?

=> Lesen Sie den ganzen Artikel im FORMAT Nr. 31/32 2015
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Zum Autor

MICHAEL SCHMITZ ist Professor für Psychologie und Management an der Lauder Business School sowie Coach für Führungskräfte und Führungsteams. Er schreibt regelmäßig für FORMAT. www.schmitz.at

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