Aufschwung abgesagt

Krisen in den USA, Europa, Südamerika. Die Aussichten für die Weltkonjunktur werden von Tag zu Tag trüber. Die optimistischen Wirtschaftsprognosen halten nicht. Auch nicht die für Österreich.

Alle hatten die Horrorzahl erwartet, und trotzdem war sie ein Schock: 4.046.000 Arbeitslose gab es im Juli in Deutschland, 92.000 mehr als im Juni. Florian Gerster, der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, sprach, hörbar betroffen, von einer "weiterhin extrem ungünstigen Tendenz am Arbeitsmarkt".
Prognosen runter. Der Arbeitslosenrekord passte perfekt in die lange Reihe höchst unerfreulicher Wirtschaftsmeldungen der vergangenen Woche. Denn anders als noch im Juli betrafen die Katastrophen-Schlagzeilen diesmal weniger die Börsen, sondern die Konjunktur und die Arbeitslosigkeit.
In Österreich wurde deshalb Gewißheit, was Experten seit Wochen vermuteten: Die Prognosen der Wirtschaftsforscher müssen nach unten revidiert werden. Die heimische Wirtschaft wird weniger stark wachsen als vorhergesagt, die Arbeitslosigkeit langsamer zurückgehen als erhofft. Marianne Kager, Chefvolkswirtin der Bank Austria Creditanstalt: "Österreich kann sich von der internationalen Entwicklung nicht abkoppeln."
Vor allem aus psychologischen Gründen nicht: "Die schlechteren Exportchancen in die USA und nach Südamerika schaden uns nur in relativ geringem Ausmaß", sagt Wifo-Chef Helmut Kramer. Der Export dorthin spiele nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Doch von der miesen Stimmung, die sich derzeit vor allem in den USA breit mache, sei die ganze Welt und mit ihr auch Österreich betroffen. „Das ganze Wirtschaftsgeschehen ist derzeit eine Frage der Psychologie, des Vertrauens“, analysiert Wifo-Außenwirtschafts-Experte Stephan Schulmeister. Nur wenn die Menschen in Österreich das Gefühl hätten, daß sich die USA wieder erfangen, würden die hiesigen Unternehmen wieder mehr investieren, die Verbraucher wieder mehr kaufen. Doch die USA erfangen sich nicht. Der amerikanische Aufschwung ist vorerst abgesagt:

Der sogenannte US-Konsumentenvertrauens-Index, der die Zuversicht beziehungsweise Skepsis des Durchschnittsamerikaners in Bezug auf die Wirtschaftslage mißt, sank auf einen neuen Tiefststand (siehe Grafik).

Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2002 nur um 1,1 Prozent. Ursprünglich hatten die Experten eine doppelt so hohe Wachstumsrate erwartet.

Auch das erste Quartal war bei weitem nicht ganz so glanzvoll wie angenommen: Bisher waren die Ökonomen für diesen Zeitraum von 6,1 Prozent (Jahres-) Wachstum ausgegangen. Den neuen, korrigierten Zahlen des US-Handelsministeriums zufolge, die vergangene Woche veröffentlicht wurden, waren es nur fünf Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen schließlich blieb zwar im Juni unverändert, was allgemein als Erfolg gewertet wird. Doch es wurden nur 6.000 neue Jobs geschaffen – viel weniger, als in den USA in einer Aufschwungphase üblich.

Die ganze Story finden Sie im FORMAT Nr. 33

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