Auf Wirtschaftsflauten folgt der Verlust von Arbeitsplätzen

„Die EZB achtet auf die Inflation. Wirtschaftswachstum ist dagegen nicht als Ziel vorgegeben.“

Da die Inflation in der Eurozone im Juni auf vier ­Prozent und damit auf das höchste Niveau seit der Einführung des Euro gestiegen ist, wurde die in den letzten Monaten bereits angedeutete Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank immer wahrscheinlicher. Und damit auch die Möglichkeit, dass die EZB als erste große Notenbank auf den weltweiten Inflationsschub mit einer Erhöhung der Zinsen reagiert. Zinserhöhungen sind ein sehr deutliches Signal, das auf eine weitere Verschlechterung der Wirtschaft in der nächsten Zeit hinweist. Tatsächlich zeichnen die Konjunkturdaten im Euro­raum bereits jetzt kein positives Bild: Die Stimmung ist ­verhalten, und die Auswirkungen der Finanzkrise, der US-­Wirtschaftsschwäche, hohe Energiepreise sowie die ­anhaltende Stärke des Euro und das sinkende Verbraucher­vertrauen be­lasten die europäischen Unternehmen bereits über die Maßen. Gerade in diesem Umfeld ist die Zinserhöhung eine gefähr-liche Maßnahme, die das Abflauen der Konjunktur weiter ­fördert.

Aufgrund der Verteuerung von Finanzierungsmöglichkeiten werden Unternehmen bereits geplante Investitionsvorhaben ­einfrieren. Das führt in der Folge zum Verlust zahlreicher Arbeitsplätze und schürt die bereits bestehende Unsicherheit der ­Konsumenten. Vor diesem Hintergrund muss man sich die ­Frage stellen, ob die EZB dem aktuellen Teuerungsauftrieb durch eine Zinserhöhung überhaupt entgegenwirken kann. Hauptverursacher der Inflation sind der anhaltende Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise – Faktoren, die außerhalb des geldpolitischen Einflussbereiches der EZB liegen. Allerdings ist es das einzige schriftlich vorgegebene Ziel für die EZB, ­stabile Preise zu gewährleisten und darauf zu achten, dass die Inflation gewisse Ausmaße nicht überschreitet. Wirtschaftswachstum ist nicht als Ziel vorgegeben. Für die Menschen in Europa und speziell aus Unternehmenssicht ist die richtige Balance beider Ziele unbedingt notwendig. Eine Erhöhung der Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt sollte daher nochmals überdacht werden.

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