Auf dem Weg zum Imperium

Nicht die 3,5 Millionen Soldaten bringen China auf dem Weg zur Weltmacht voran, sondern das Heer fleißiger, billiger Arbeitskräfte, das den beispiellosen Boom im Reich der Mitte trägt. Für den Westen ist das neue Wirtschaftsimperium Bedrohung und Chance zugleich.

Eine Phrase hat der seit 2004 amtierende Präsident der Volksrepublik China, Hu Jintao, aus dem Repertoire seiner Vorgänger unverändert übernommen: „China ist ein Entwicklungsland“, beeilt sich das Oberhaupt des 1,3- Milliarden-Reichs bei jeder Gelegenheit zu betonen. Damit pflegt der Staatschef zwei für sein Land charakteristische Traditionen: ostentative Bescheidenheit und ein feines Gespür für doppelsinnige Formulierungen. Tatsächlich ist nämlich China ein Land, das sich entwickelt. Und zwar ziemlich schnell.

Das chinesische Wirtschaftswunder ist eine atemberaubende Erfolgsstory, die die ökonomischen Gewichte der Welt spürbar verändert hat. Das bis Anfang der achtziger Jahre in Selbstisolation dämmernde Reich der Mitte hat, beginnend mit den Wirtschaftsreformen unter Deng Xiaoping, systematisch aufgeholt. Die chinesische Wirtschaft wächst mit rund zehn Prozent jährlich etwa fünfmal so schnell wie die EU und mehr als doppelt so schnell wie die USA. Die Exporte haben sich in den vergangenen zehn Jahren auf über 600 Milliarden Dollar vervierfacht, und mit jährlich 63 Milliarden Dollar hat China die USA als Land mit den höchsten Direktinvestitionen abgelöst.

Mittlerweile verlassen jährlich 300.000 Technikabsolventen Chinas Universitäten, und beim Export von Elektronikprodukten hat das Reich der Mitte sowohl die EU als auch die USA bereits überholt. Der Zukunftsforscher Matthias Horx rechnet gar damit, dass im Jahr 2030 weltweit jeder vierte Unternehmenschef ein Chinese sein wird. In Shanghai wird derzeit an über 100 Hochhäusern gebaut, die Zahl der Autobahnkilometer hat sich seit 1990 verelffacht, jene der öffentlichen Verkehrsmittel – meist Busse – auf 280.000 vervierfacht. Vor allem in städtischen Ballungsräumen, in denen immerhin 500 Millionen Menschen leben, wächst der Wohlstand – wenngleich von einem sehr niedrigen Niveau. Gab es laut OECD 1985 in hundert Haushalten bloß einen Kühlschrank, so sind es nun über 50, statt vier Farbfernsehern gibt es 94. Jedes fünfte Handy, jeder achte Mikrowellenherd, jeder zwölfte Computer wird in China verkauft.

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