Auch den Angehörigen muss geholfen werden

„Regierung infor­miert unzureichend, ist bürokratisch und obendrein geizig.“

Etwa 600 000 Personen sind in Österreich pflegebedürftig! Fast 400.000 Personen erhalten Pflegegeld. Bescheidene vier Prozent der Pflegebedürftigen werden in Pflegeeinrichtungen versorgt. Für sie werden, außer dem Pflegegeld, 90 Prozent der öffentlichen Mittel aufgebraucht! Mehr als 90 Prozent der Pflegebedürftigen werden aber oft unter schwierigsten Verhältnissen von nahen Angehörigen versorgt. Diese Menschen, die vielfach Beruf, Zukunft und persönliche Interessen hintanstellen müssen, erhalten aber nur zehn Prozent aus öffentlichen Mitteln. Das Pflegegeld ist gedacht als Zuschuss, der die private Vorsorge ergänzen soll. Tatsächlich werden und können nur minimale Aufwendungen damit abgedeckt werden. Hinzu kommt außerdem, dass mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen weniger als 860 Euro verdient. So verlogen, wie es Jahre vor dem erst spät eingestandenen Pflegenotstand zuging, so verlogen geht es in der Politik weiter, denn die 24-Stunden-Pflege ist das kleinste aller Pflegeprobleme in Österreich. Die Regierung informiert unzureichend, ist bürokratisch und obendrein noch geizig.

Das wahre Problem sind die rund 400.000 Angehörigen der Pflegebedürftigen, die ohne Anspruch auf Bezahlung und soziale Absicherung arbeiten. Das Grundrecht auf Pflege sollte in der Verfassung verankert werden, die Zuständigkeit des Bundes sowie die Harmonisierung der Pflegegebühren sind dringend notwendig! Schnell-Pflege-Lösungen vor Wahlen sind ebenso gefährlich wie die einstige „Schüssel-Behauptung“, es gebe keinen Pflege-Notstand!

Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums in Wien.

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