AUA-Boss Sørensen:
Angriff auf die BIlligflieger

Gute Zahlen, der jahrelange Streit mit den Piloten beendet: Austrian-Boss Vagn Sørensen hält seine Airline auf Kurs und ist überzeugt, die Billigairlines in Schach halten zu können.

Format: Herr Sørensen, Ihr Betriebsrat hat Ihnen vorige Woche vorgeworfen, Sie würden keine Personalverhandlungen führen, weil Sie schon auf dem Sprung zur Lufthansa sind?
Sørensen: Das habe ich schon dementiert, sage aber nochmals deutlich: Ich habe vor, meinen Vertrag bei Austrian bis 2006 zu erfüllen. Es gab keinen einzigen diesbezüglichen Kontakt mit der Lufthansa. Wir haben bei der Austrian viel auf die Beine gestellt. Jetzt will ich auch die Früchte ernten.
Format: Fühlen Sie sich geehrt, dass Sie
für einen Topjob bei dem Airlineriesen gehandelt werden?
Sørensen: Klar ist das ehrenhaft, so viel Mensch bin auch ich.
Format: Ob Sie nach 2006 noch eine Periode bei der AUA anhängen …
Sørensen: … ist kein aktuelles Thema.
Vor allem hängt das nicht nur von mir ab.
Ich schließe es aber keinesfalls aus.
Format: Leben Sie gern in Österreich?
Sørensen: Sehr gern, und das gilt auch für meine Familie. Ich werde heuer meinen ersten Wein in Österreich ernten.
Format: Sie sind Nebenerwerbsweinbauer?
Sørensen: Das nicht, aber ich habe einen Garten mit vielleicht 400 Pflanzen. Es wird der teuerste je produzierte Wein: Produktionskosten von 20 Euro und ein Wert von drei Euro pro Flasche. Aber mein eigener.
Format: Mit dem Personal haben Sie sich nach den Streikdrohungen am letzten Freitag auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt …
Sørensen: Die Drohungen waren enttäuschend und inakzeptabel. Wir wären auch ohne sie zu einem Abschluss gekommen. Immerhin haben wir uns nicht erst am letzten, sondern am vorletzten Tag der Frist geeinigt, wenn auch erst um vier Uhr früh.
Format: Der Streit ist endgültig bereinigt?
Sørensen: Ja. Das Gehalt bestehender Austrian-Piloten wird um drei Prozent reduziert, das Pensionsalter auf 61,5 Jahre erhöht. Alles andere gilt für Neueintretende bei Austrian und Lauda-Piloten: Deren Gehälter werden schrittweise angeglichen, wodurch das Lauda-Personal mehr verdienen wird. Wichtig ist auch das beschlossene Krisenpaket: Bei einem Einbruch des Marktes tritt automatisch eine Teilzeitregelung in Kraft.
Format: Wenn die Lauda-Leute mehr verdienen, bringt das Paket insgesamt Mehrkosten für die Gruppe?
Sørensen: Nein, es bedeutet eine Einsparung und erhöhte Produktivität. Die gesamten Arbeitszeit- und Ruheregelungen werden ans Lauda-Niveau angepasst. Wir haben jetzt wettbewerbsfähige Strukturen.
Format: Der Vorteil der Lauda Air waren bislang die günstigeren Kosten. Das fällt künftig weg. Wozu brauchen Sie Lauda noch?
Sørensen: Lauda ist als Brand sehr wertvoll, hat 50 Prozent Marktanteil im Ferienfluggeschäft und bleibt sicher bestehen. Wir werden sogar wieder mehr in die Marke investieren. Wir fusionieren nur den Flugbetrieb – ähnlich wie eine Küche, die Essen für zwei verschiedene Restaurants produziert.
Format: Die Restaurants müssen sich aber irgendwie voneinander abheben.
Sørensen: Lauda wird mehr und mehr auf Charter und reine Ferienflüge konzentriert.
Format: Die Australien-Strecken von Lauda sind aber Linienflüge?
Sørensen: Richtig, die Australien-Operation wird in den Liniendienst zu Austrian übergeführt.
Format: Herr Sørensen, die Austrian-Gruppe hat für 2003 recht gute Zahlen vorgelegt. Verantwortlich dafür: der günstige Dollarkurs?
Sørensen: Der Dollar hat uns sehr geholfen. Wir haben aber auch – ohne Wachstum – die Kosten um 5,1 Prozent gesenkt. Und wir haben ab Mitte 2003 durch geschicktes Marketing Marktanteile gewonnen. Ich muss der ganzen Mannschaft ein Kompliment machen.
Format: Wie viel der 63,3 Millionen Euro Betriebsergebnis sind Währungsgewinne?
Sørensen: Bereinigt um Sondereffekte, beträgt das rein operative Ergebnis nur 4,2 Millionen, um fast 40 Millionen weniger als 2002. Ich warne daher eindringlich vor zu großer Euphorie. Die Yields – Durchschnittspreise pro Ticket – sind in Westeuropa sehr schlecht und entwickeln sich noch weiter nach unten. Osteuropa ist akzeptabel.
Format: Da macht Ihnen der Vormarsch der Billigairlines zu schaffen?
Sørensen: Die Preise fürs Fliegen sind ohne Frage gesunken.

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