Art Cluster Vienna: Dorotheum plant Börsengang

Der 37-jährige Kärntner Unternehmer Erwin Soravia wälzt Pläne für einen Dorotheum-Börsengang. Den deutschen Verlagsriesen Holtzbrinck hat er bereits zu einer Internet-Kooperation überredet.

Ob Executive Lunch mit Bill Gates, Kanzler-Dinner mit Wolfgang Schüssel oder eine lange Nacht am Wiener Opernball: Das kongeniale Paar Erwin Soravia und Martin Ohneberg ist überall dabei. Die langjährigen Freunde teilen aber nicht nur ihre Vorliebe für die „Seitenblicke“. Gemeinsam schupfen der 37-jährige Kärntner Bauindustriellen-Sohn Soravia und der 33-jährige Ohneberg (Vorsitzender der IV-Vorfeldorganisation „Junge Industrie“) auch zwei erfolgreiche Unternehmen: das traditionsreiche Wiener Dorotheum und das Internet-Auktionshaus OneTwoSold.

Gesteuert werden beide Firmen über die OneTwo Beteiligungs- und Managementberatungs GmbH (OneTwo) in Wien. Während sich Ohneberg um das OneTwo-Tagesgeschäft kümmert, gibt Miteigentümer Soravia die strategische Marschrichtung vor.

Dieser Aufgabe widmet sich Soravia derzeit besonders intensiv. Noch heuer will er zwei Projekte aus dem Zylinder zaubern, die das Dorotheum als führendes Auktionshaus in Zentral- und Osteuropa zementieren sollen: die gemeinsame Eroberung des deutschen Online-Auktionsmarktes mit dem Verlagsriesen Holtzbrinck („Wirtschaftswoche“, „Handelsblatt“) sowie die Errichtung des
„Art Cluster Vienna“ mit dem Dorotheum als Drehscheibe des mitteleuropäischen Kunsthandels.

Damit sind die heißesten Kapitel einer spannenden Investmentstory geschrieben, die ein wesentliches Ziel hat: den aktuell diskutierten Börsengang des Dorotheums potenziellen Investoren schmackhaft zu machen. Bevor ein Listing in Wien aber zustande kommt, steht noch viel Arbeit bevor, wie etwa die Umgründung der OneTwo in eine Aktiengesellschaft, umfassende Bewertungsgutachten zu den einzelnen Geschäftsbereichen, die Auswahl einer Investmentbank sowie das Okay aller OneTwo-Gesellschafter.

Während Mastermind Erwin Soravia für eine Stellungnahme gegenüber FORMAT nicht erreichbar war, kommentiert sein Bruder Hanno die aktuelle Situation folgendermaßen: „Es wird in den Gesellschafterversammlungen sehr viel hin und her überlegt. Der Börsengang ist dabei eine von mehreren Varianten.“ Und Dorotheum-Boss Martin Ohneberg ergänzt: „Es gibt keinen endgültigen Beschluss für einen Börsengang.“

Holtzbrinck an Bord. Die aktuelle Börsendiskussion macht aber durchaus Sinn. Denn die Expansionsschritte nach Deutschland werden viel Geld verschlingen – jetzt und in der Zukunft. Die spektakuläre Kooperation mit der mächtigen Holtzbrinck-Gruppe startet schon im März von München aus.

Dort wartet mit der US-Firma Ebay – ein Microsoft des Online-Auktionshandels – ein finanzstarker und aggressiver Konkurrent. Erst kürzlich legte Ebay für den deutschen Gebrauchtwagenhändler Mobile. de 121 Millionen Euro Cash auf den Tisch. Der Holtzbrinck-Verlag, der in einem Konsortium ebenfalls mitsteigerte, erlebte eine bittere Niederlage. Mit Mobile.de wollte Holtzbrinck sein in den vergangenen Jahren mit zweistelligen Umsatzverlusten kämpfendes Kleinanzeigengeschäft wieder in den Griff bekommen. Nachdem die Gebrauchtwagen-Rechnung nicht aufging, haben die Deutschen nun Plan B aktiviert: die Zusammenarbeit mit Erwin Soravias Internetbörse.

OneTwoSold-Geschäftsführer Franz Karner hat sich bereits hohe Ziele gesteckt: „Bis zum Jahresende wollen wir in Deutschland mehr User und Produkte haben als in Österreich.“ Über OneTwoSold handeln derzeit 270.000 Österreicher mehr als 70.000 Artikel, vom Handy über die Digitalkamera bis hin zu Espressomaschinen.

Der Erfolg beim nördlichen Nachbarn wird nicht zuletzt vom finanziellen Atem der OneTwo-Truppe abhängen. Die Erhöhung der Kreditlinien allein wird auf Dauer nicht ausreichen, um im Kampf mit Ebay zu reüssieren. Deshalb werden auch neue Möglichkeiten der Langfristfinanzierung diskutiert, wie etwa der Börsengang.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Das Dorotheum als Drehscheibe des Kunsthandels
PLUS: Die flotten Geschäfte der Brüder Soravia

Politik

Facebook-Rebell Max Schrems wird Berater von NEOS

Audi steigt auf die Bremse: Rückrufaktion für 850.000 Diesel

Auto & Mobilität

Audi steigt auf die Bremse: Rückrufaktion für 850.000 Diesel

Politik

Post-Causa: Ermittlungen gegen Karl-Heinz Grasser eingestellt