Angriff der Schweizergarde

Die Swisscom will ihre letzte Chance auf die Übernahme der Telekom Austria nutzen. Derzeit wird abgeblockt. Doch über drei Mrd. Euro könnten die Regierung schwach werden lassen.

Es war bei einer Konferenz der Investmentbank Merrill Lynch vor zwei Wochen in London, als Swisscom-Chef Jens Alder vor Finanzleuten die Katze aus dem Sack ließ. Er habe bis zu 15 Euro pro Aktie der Telekom Austria (TA) geboten, sagte er auf Anfrage und erklärte: „Ob wir zum Zug kommen, liegt nicht mehr in unserer Hand. Der Ball ist bei den Österreichern.“

Nachdem ein TA-Verkauf an die Swisscom schon vom Tisch war, tritt die Schweizergarde nun mit geballter Ladung an, um die weitere Privatisierung über die Börse noch in letzter Minute zu verhindern. Seither verbreiten sich wilde Gerüchte bis zu jenem, der Deal sei längst unterschrieben. Finanzminister Grasser dementiert: „Mir persönlich liegt kein Angebot der Swisscom vor.“ Nur: Intensive Gespräche, auch von Seiten der ÖIAG, gab es.

Die Eidgenossen wollen die TA-Mehrheit unbedingt. Die brisante Causa spitzt sich jetzt auf die Frage zu: Ist das Verlangen der Regierung nach 3,17 Milliarden Euro – so viel würde sie für das 42,2-Prozent-Paket der ÖIAG an der TA kassieren – stärker als die Angst vor dem öffentlichen Krach, der dann droht?

Belegschaft droht mit Streik. Telekom-Gewerkschaftschef Michael Kolek wetzt schon die Messer: „Wir stehen zu den beschlossenen Kampfmaßnahmen, falls die ÖIAG unter 25,1 Prozent geht. Wir mobilisieren schon Landespolitiker gegen einen Ausverkauf. Die Regierung muss sich überlegen, ob sie diese Rechnung bei den nächsten Wahlen präsentiert bekommen will.“ Auch SPÖ-Wirtschaftssprecher Hans Moser lehnt „die Übernahme durch die Swisscom entschieden ab“.

In der ÖVP herrschen sehr ernste Zweifel, ob der vorprogrammierte Zoff politisch auszuhalten wäre. Das war schon der Grund für den Stopp der Postprivatisierung (FORMAT 25/06). VP-Generalsekretär Reinhold Lopatka meinte intern, einen solchen Wirbel könne er keinesfalls brauchen, solange eine Neuwahl droht. Ähnliches gilt bei der TA.

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