Am Beispiel Martin Huber: Was ist ein „golden handshake“ wert?

Über den (Un-)Sinn von „Übergangszahlungen“ für Manager

Egal, ob der „golden handshake“ für ÖBB-General Martin Huber nun 500.000, 800.000 oder gar eine Million Euro kostet, die Aufregung ist groß. Und führt zu zwei nahe liegenden Interpretationen: Solch eine Vorgangsweise sei erstens nur in einem Staatsbetrieb möglich und zweitens eben Beleg für eine dort übliche „Umfärbungsaktion“. Der zweite Punkt, in Österreich (nicht nur hier) allzu oft üblich, stimmt in diesem speziellen Fall nicht, der erste überhaupt nicht.

Gerade in jüngster Vergangenheit eskalierte in der internationalen Privatwirtschaft die Unsitte, unliebsam gewordenen und/oder sachlich gescheiterten Managern ihren Abgang mit Summen zu versüßen, gegen die sich selbst Hubers maximale Abschlagszahlung wie ein Trinkgeld ausnimmt. So erhielt Charles Prince, scheidender Chef der weltgrößten Bank, der Citigroup, zum überraschenden Abschied im November 2007 95 Millionen Dollar, zusammengesetzt aus Bonus- und Pen­sions­zahlungen sowie einem dicken Aktienpaket. Offenbar als Belohnung dafür, dass die Citigroup im vierten Quartal des Jahres infolge der US-Hypothekenkrise weitere elf Milliarden Dollar abschreiben musste, bekam Prince dazu noch für weitere fünf Jahre einen Anspruch auf ein Büro in der Bank, einen Wagen samt Chauffeur sowie einen persönlichen Assistenten eingeräumt. Kollege Stan O’Neal hat es noch besser: Zum Dank dafür, dass das weltweit führende Finanzdienstleistungsunternehmen Merrill Lynch 8,5 Milliarden Dollar verlor, kassierte sein gefeuerter Vorstandschef gar 161,5 Millionen.

In Europa gibt man es etwas billiger. Aber auch da hat es etwa in Deutschland Ende des Vorjahres Em­pörung ausgelöst, dass der 44-jährige Exchef des ba­den-württembergischen Energieunternehmens EnBW, Utz Claassen, zum Abschied einen Anspruch auf „Übergangszahlungen“ in der Höhe von kumulierten sieben Millionen Euro angemeldet hat – bis 2026 (!) soll er jährlich 400.000 Euro erhalten. Dimensionen, die der Chef der deutschen Bundes­anstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Jochen Sanio jüngst in der „Zeit“ für die anhaltende Finanzkrise mitverantwortlich machte: Es sei „eine schlechte Angewohnheit, Personen, die ein Unternehmen an die Wand gefahren haben, den verdienten Ab­gang mit einem goldenen Handschlag zu versüßen … Die ge­­winn­­abhängige Bezahlung von Topmanagern setzt den starken Anreiz, die Gewinne kurzfristig zu steigern. Das geht meist nur, wenn man höhere – zu hohe – Risiken in Kauf nimmt." Nun ist es den ÖBB seit 2005, als Hubers Vorgänger Rüdiger Vorm Walde mit 1,2 Millionen Euro in die Wüste geschickt wurde (dessen erfolgreicher Vorgänger Helmut Draxler wurde 2001 tatsächlich aus politischen Gründen gesäubert), keineswegs so schlecht gegangen wie etwa der Citigroup in der aktuellen Finanzkrise. Huber hat ein großes Investitionsprogramm gestartet, Züge und Bahnhöfe wurden und werden modernisiert – freilich um den Preis einer gewaltigen Zusatzverschuldung des Unternehmens und ohne weitere Marktanteilsver­lus­te gegenüber der Straße zu verhindern. Dass die ÖBB bei riskanten Geschäften 230 Millionen Euro verloren haben, ist – siehe Sanio – kein Einzelfall, bei einem staatlichen Unternehmen aber besonders fragwürdig. Dafür musste Finanzchef Erich Söllinger gehen. Und Huber? Auch er dient nicht als Beweis für eine „Umfärbung“: Der mäch­tige Wiener SPÖ-Chef Michael Häupl schätz­te ihn stets, Minister Werner Faymann lange Zeit.

Huber ist wohl in erster Linie an seiner Unfähigkeit gescheitert, den wilden persönlichen Intrigen Einhalt zu gebieten, die gleich mehrere Manager – mit unterschiedlichen, auch gar keinen Partei­bü­chern ausgestattet, dann aber alle wieder mit ho­hen Abschlagszahlungen – beruflich den Kopf kos­­te­ten. Im Gegenteil: Huber hat diese internen Kämpfe selbst angeheizt, als er die ihm unbequeme Wilhelmine Goldmann mit lächerlichen Vorwürfen („private“ Fotokopien) aus dem Unternehmen drängte. Zeichen eines autoritären Führungsstils, der Manager bisweilen eben auch das Gefühl verlieren lässt, was „geht“ und was nicht: Dass die Firma, an der nicht nur Hubers Ehefrau beteiligt war, sondern auch er selbst – wie vor zwei Wochen von FORMAT aufgedeckt –, binnen zwei Jahren mehr als fünf Millionen Euro bei einem Immobiliendeal mit einem ÖBB-Partner verdiente, war aktienrechtlich offensichtlich kein Problem, daher die Einigung. Die dabei entstandene Optik erwies sich aber als fatal, für ihn als ÖBB-Chef letal.

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