Alle Jahre wieder: Warum Ferienzeit auch immer Stauzeit ist

Jedes Jahr versinkt Österreich pünktlich zu Ferienbeginn im Stauchaos: kilometerlange Blechschlangen, leere Baustellen und Umleitungswirrwarr. Wie sich der Verkehrskollaps mit besserem Management und klügerer Koordination vermeiden ließe.

Für Markus Hermann hat vor zwei Wochen die Hauptsaison begonnen. Das ganze Wochenende ist der Stauberater des Verkehrsclubs ARBÖ mit seinem Motorrad auf der Brennerautobahn unterwegs, um durch Stau gestresste Urlauber mit Wasser zu versorgen und sie bei Laune zu halten. „Ich sage den Leuten, wo der nächste See liegt, damit sie eine Pause einlegen und später weiterfahren können“, sagt Hermann.

Auch der Radiosender Ö3 mildert die lähmenden Wartezeiten im Auto, vor allem mit Schmähs. Hit des Senders im Ö3-„Wecker“ ist derzeit die „Baustellenparty“, angelehnt an ein Lied des Linzer Hip-Hoppers Skero. Ein Rapper singt: „I was net, wo soll i nu foahn? Straße, Gasse, Autobahn? Olles blockiert, i glaub i tram. Umleitungen, wohin i schau, mei Hintern is schon grün und blau. Ganz Österreich is grad im Bau.“

Jahr für Jahr zu Sommerbeginn das gleiche Bild: Die Verzögerungen auf Österreichs Straßen klettern durch Baustellen, Umleitungen und Staus auf ein unangenehm nervenaufreibendes Niveau. Allein vergangenes Wochenende standen Autofahrer auf ihrem Weg zur Adria satte 15 Kilometer vor dem Tauerntunnel. Auf der Südautobahn Richtung Graz verloren Lenker in der Autokolonne eine Dreiviertelstunde, und auf der Westautobahn bei Schörfling ging es zehn Kilometer im Schritttempo dahin. Zeitverlust: eine Stunde. Sogar in Wien, wo urlaubsbedingt weniger los sein sollte, quälen sich Pendler durch den Morgenverkehr, etwa weil auf der Unteren/Oberen Donaustraße ein Radweg gebaut wird und daher gleich zwei Fahrstreifen gesperrt sind. Zu Spitzenzeiten reicht die Autoschlange zurück bis auf die Tangente. Demnächst soll auch noch die Hauptverkehrsader Gürtel abschnittsweise saniert werden. „Das wird ein Wahnsinn“, meint Dieter Campregher, Mitarbeiter der ÖAMTC-Informationszentrale trocken.

Die Liste an Staumeldungen ließe sich in diesen Tagen endlos fortsetzen. Immerhin finden sich auf Österreichs Straßen derzeit 170 Baustellen, in Wien sind es 78. Kommendes Wochenende startet das größte deutsche Bundesland, Nordrhein- Westfalen, in die Ferien, außerdem wird eine zweite Reisewelle aus Westösterreich losbrechen. Zusätzliche Staus sind daher schon programmiert.

Doch warum müssen jedes Jahr pünktlich Anfang Juli Österreichs Straßen im Verkehrschaos versinken? Und wer trägt dafür die Verantwortung? Ein FORMAT-Report, wie Überlastung, verbesserungsfähiges Verkehrsmanagement und fehlende Alternativen zum Stau-Wahnsinn führen.

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