Alle gegen Billa: Brutale Preisschlacht, Billa-Jäger Barfuß weitet Ermittlungen aus

Spar und die Diskonter greifen die Nummer eins an

Sie laufen mit Schweiß auf der Stirn im Foyer der Billa-Zentrale im Kreis, die Hände um die Griffe ihrer Aktenkoffer gekrampft. Werden sie von der Frau in der Portiersloge endlich aufgerufen, erschrecken sie, obwohl sie genau darauf sehnsüchtig gewartet haben: Fünfzig bis sechzig Lieferanten pro Tag pilgern nach Wiener Neudorf, um den Einkäufern von Österreichs Marktführer bei Lebensmitteln ihre Produkte anzubieten.

In gläsernen Büros im ersten Stock werden sie dann von den auf maximale Rendite für ihren Konzern gedrillten Billa-Verhandlern in die Mangel genommen werden. Doch das nehmen sie gerne in Kauf. Denn der vom legendären einstigen Jazzpianisten Karl Wlaschek gegründete und vom Konzernchef Veit Schalle, der als Lehrling bei Meinl angefangen hat, riesengroß gemachte Lebensmittelmulti dominiert hierzulande die Branche, wie es kein anderes Handelsunternehmen in Europa schafft: mit 7,7 Milliarden Euro Umsatz (Billa, Bipa, Mondo, Merkur, Emma und ITS) und 48.200 Mitarbeitern. Am insgesamt rund 14,4 Milliarden Euro schweren Lebensmittelmarkt erzielte Rewe 2003 – Diskonter wie Hofer und Lidl mitgerechnet – rund 30 Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: Selbst der US-Gigant Wal-Mart bringt es auf seinem Heimatmarkt nur auf zehn Prozent. Schafft es ein Lieferant in die Regale von Zielpunkt, ist das ein guter Deal. Kommt er jedoch bei Billa zum Zug, ist das der Jackpot.

Genau diese Marktmacht wird für Billa jetzt zunehmend zum Problem: Am 7. Juni hat ein Mann einen Angriff auf die Lebensmittelriesen gestartet, der das Tauziehen zwischen Lieferanten und Händlern von beiden Seiten kennt: Exwirtschaftsanwalt Walter Barfuß, einst Aufsichtsrat beim Markenmulti und Billa-Großlieferanten Unilever, scheint wild entschlossen, die Macht der beiden Handelsdominatoren Billa und Spar zu stutzen.

Vor zweieinhalb Jahren zum Generaldirektor der weisungsungebundenen Bundeswettbewerbsbehörde bestellt, hat der 67-jährige Barfuß mit Ermittlungen wegen Missbrauchs der Marktmacht gegen Billa, und neuerdings auch gegen dessen Erzrivalen Spar, eine Lawine losgetreten.

Waren vorerst so genannte Exklusivverträge wie mit der Salzburger Molkerei Pinzgau Milch ins Visier der Wettbewerbshüter geraten, werden die Vorwürfe jetzt immer brisanter. Im FORMAT-Interview antwortet Barfuß auf die Frage, ob es denn stimme, dass gegen Handelsmanager von Billa und Spar wegen des Verdachts auf Kickbackzahlungen ermittelt wird: „Ja, das stimmt“.

Billa-Chef Veit Schalle kontert: „Barfuß soll Fakten auf den Tisch legen. Sollte es bei uns so einen Fall geben, würde die betroffene Person sofort an die Luft gesetzt und angezeigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei diesen Ermittlungen viel herauskommt“.

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PLUS: Rewe-Austria-Chef Veit Schalle im Interview: „Da kann nicht viel dabei herauskommen“
PLUS: Wettbewerbshüter Walter Barfuß im Interview: „Ermittlungen nun auch gegen Spar“

Peter Pelinka

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