Alex Scurlock: „Ich schwimme gegen den Strom. Wenn alle verkaufen, steige ich ein“

Der Manager des 15,4 Milliarden schweren Aktienfonds Fidelity European Growth über die derzeitige Krise der Banken und seine Investmentstrategien.

FORMAT: Seit Sie das Ruder des Fidelity European Growth Fund in der Hand halten, hat sich die Performance stark verbessert. Woran liegt das?
Scurlock: Seit ich den Fonds im Oktober 2006 übernahm, wurde die Anzahl der Aktien im Portfolio stark reduziert. Das brachte den European Growth Fund, das Flaggschiff von Fidelity International, den mit einem Volumen von 15,4 Milliarden Euro größten Aktienfonds in Europa, wieder auf Kurs.
FORMAT: Wie viele Titel befinden sich derzeit im Fonds?
Scurlock: Der Fonds hält 125 Aktien, früher waren schon einmal 280 Papiere in dem damals rund 21 Milliarden schweren Portfolio. Das hat die Rendite verwässert. Die Streuung war zu breit, und der Fonds wurde zum Opfer des eigenen Erfolgs. Jetzt liegen wir wieder unter den besten 25 Prozent der Europaaktienfonds.
FORMAT: Wo sehen Sie die Ursachen der jüngsten Krise an den Aktienmärkten?
Scurlock: Wir hatten eine sehr lange Phase mit tiefen Zinsen, die Liquidität an den Finanzmärkten stieg extrem an, die Inflation war gering. Die Rohstoffpreise und Immobilienpreise erreichten hingegen historische Höchststände. Umgekehrt waren die Zinsunterschiede zwischen unterschiedlichen Anleihenbonitäten extrem niedrig.
FORMAT: Was löste letztlich die aktuellen Turbulenzen aus?
Scurlock: Eine Blase an den Kreditmärkten ähnlich jener der Internetaktien im Jahr 2000. Mit dem Zusammenbruch am US-Hypothekenmarkt wurde das hohe Risiko schlagend. Dieses Problem zieht sich jetzt quer durch den Finanzsektor. Die Angst grassiert: Banken wollen sich untereinander kein Geld mehr leihen, weil niemand genau weiß, wo die Gefahren wirklich lauern. Das hat den Geldmarkt fast zum Erliegen gebracht, die Liquidität ist ausgetrocknet.
FORMAT: Was bedeutet das jetzt für Aktieninvestoren?
Scurlock: Im Sommer wurden, um neue Liquidität zu schaffen, Aktien verkauft. Nicht nur Papiere, die man loswerden wollte, sondern alle, die einen Abnehmer fanden. Das ist der Grund für die sehr hohen Schwankungen an den Aktienmärkten im August.
FORMAT: Wo kann man jetzt trotzdem noch investieren?
Scurlock: Nebenwerte und besonders die Schwellenländerbörsen sind bereits gut gelaufen, jetzt sind Aktien hochqualitativer Großunternehmen am Zug. Dabei ist es mein generelles Motto, gegen den Strom zu schwimmen und aus meiner Sicht attraktive Papiere zu kaufen, die von anderen Investoren momentan verschmäht werden.

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