AKH-Reportage: Der High-Tech-Kampf ums Leben

Das Wiener AKH, wo die Ärzte unter Einsatz modernster medizinischer Mittel um das Leben des Bundespräsidenten kämpften, zählt zu den Topspitälern in Europa.

Dramatik im Wiener AKH: Vergangenen Montag um 9.07 Uhr wird Bundespräsident Thomas Klestil vom Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik gebracht. Diagnose: Herzstillstand. Anton Laggner, Leiter der Notfallambulanz, bringt das Herz mit einer Epinephrin-Injektion wieder zum Schlagen. Sofort bekommt Klestil einen Herzkatheter, wird mit Computertomografie unter der Leitung von Radiologiechef Christian Herold gescannt. Dann wird das Staatsoberhaupt auf die Intensivstation der Inneren Medizin I gebracht: Im künstlichen Koma soll sich die Herzfunktion wieder stabilisieren. „Das ist eine Art Winterschlaf für das Gehirn. Wir setzen diese Methode immer wieder bei lebensgefährlich erkrankten Patienten ein“, erklärt Michael Zimpfer, Vorstand der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

Doch Klestils Leben hängt nur noch am seidenen Faden. „Durch die veränderten Reizleitungsprozesse im Tiefschlaf kommt es leicht zu einem Wassereinbruch in die Zellen. Diese Gehirnschwellung kann dann die Durchblutung lebenswichtiger Organe unterbinden.“ Das fatale Worst-case-Szenario tritt am Dienstag ein: Trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen kommt es zu einem „multiplen Organversagen“. Ein Kampf, den Klestil nicht gewinnen kann. Zimpfer: „Medizinisch wurde alles richtig gemacht, aber er hatte bereits bei der Einlieferung keine Chance mehr gehabt.“ Klestils jahrelange Grundkrankheit, eine eingeschränkte Lungenfunktion, war zwar nicht der unmittelbare Auslöser des Herzanfalls, aber laut Zimpfer „eine schwere Hypothek“. Vor acht Jahren hatten die AKH-Ärzte Klestil wegen einer schweren Lungenentzündung schon einmal in Tiefschlaf versetzt – und ihm so das Leben gerettet.

Grenzen der Medizin. „Wir sind hier alle Grenzgänger“, resümiert Intensivmediziner Zimpfer. Insgesamt werden im AKH mehr Überlebenskämpfe gewonnen als verloren. Die Wiener Klinik zählt zusammen mit der Charité Berlin, dem Klinikum Großhadern in München oder der Medizinischen Hochschule Hannover zu den Vorzeigespitälern Europas. Und Wien hält in einigen Fächern sogar mit dem Mekka der Medizin, den USA, mit: Ein in London präsentiertes Ranking reiht die Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin unter die weltbesten Forschungsstätten. Anästhesiechef Zimpfer verfügt über die modernste Hyperbarkammer Europas zur Behandlung von Kohlenmonoxidvergiftungen und schweren Infektionen.

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