Agnes Baltsa: Die letzte Diva

Maestro Herbert von Karajan nannte sie „die bedeutendste Mezzosopranistin unserer Zeit“. Für ihre Fans ist sie die beste Carmen der Welt. Sie selbst interessiert es nicht, mit Gedanken an vergangene Triumphe ihre Zeit zu verschwenden.

Ihr sind, wie sie betont, die Herausforderungen des „Jetzt“ und des „Morgen“ ungleich wichtiger. Deshalb auch konzentriert sie sich dieser Tage völlig auf die Partie der Hérodiade in Jules Massenets gleichnamiger Oper, in die sie ein Höchstmaß an „Kraft und Emotion, Herz und Stimme“ zu investieren gedenkt.

Lesen Sie aus diesem Anlass das Interview mit Agnes Baltsa über ihre angestammten Ängste, ihre neuen Ziele und die Einsamkeit der letzten Diva auf der Opernbühne.

Format: Mit Agnes Baltsa assoziieren alle gleich: „die beste Carmen“ … Ist diese Rolle denn für Sie selbst auch so wichtig?
Baltsa: Natürlich ist mir die Carmen wichtig. Aber ich möchte betonen: Ich will und kann nicht in der Vergangenheit leben. Was mich enorm interessiert, ist das Jetzt und das Morgen. Die „Hérodiade“ zum Beispiel, das ist eine Herausforderung! Ein schwieriges Stück. Ganz sicher nicht mit dieser musikalischen Architektur ausgestattet wie die Strauss’sche „Salome“. Dafür muss man eben noch mehr von seiner Kraft und Emotion, von seinem Herz und seiner Stimme investieren.
Format: Die „Hérodiade“-Premiere ging 1995 über die Bühne, danach gab es etliche Wiederholungen …
Baltsa: … und ich kann Ihnen sagen: Das alles nutzt mir jetzt gar nichts. Ich muss am Freitag als Hérodiade auf der Bühne stehen. Und das ist für mich eine Herausforderung wie bei der Premiere. Die Angst und die Gefahr sind gleich groß: Man tanzt auf einem Seil ohne Netz.
Format: Agnes Baltsa und Angst …?
Baltsa: … Angst, Lampenfieber und die Einsamkeit auf der Bühne. Sehen Sie, ich bin ein emotionaler Mensch. Aber ich bin gleichzeitig ein sehr melancholischer Mensch. Ich würde sagen: Ich bin ein denkender Mensch. Und das ist vermutlich auch gut so. Deshalb aber werde ich die Einsamkeit und die Angst nie wirklich los. Die Stunde, bevor ich ins Theater komme, dann in die Garderobe gehe, ist für mich furchtbar … Bis ich auf die Bühne komme und sehe: Ja, heute könnte es gehen! Und manchmal ist man dann ganz frei da oben, man fliegt, und das ist wie ein Traum.
Format: Woher rührt diese Einsamkeit auf der Opernbühne?
Baltsa: Ich habe eine enorme Verantwortung. Ich habe einen enormen Respekt vor dem Haus, vor dem Publikum, vor mir selbst, vor dem Stück. Und jedes Mal frage ich mich, ob ich dem gerecht werde. Ich bin keine Maschine, ich bin ein Mensch! Ich habe Emotionen, ich habe Farben: Manchmal bin ich besser, und manchmal – wenn Föhn ist wie heute – geht es mir nicht so gut.

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