Affäre Meinl: Angriff der Anleger

Aufgebrachte Anleger setzen Julius Meinl zunehmend unter Druck. Der verlässt sich auf sein hochkarätiges Netzwerk. Neben der Finanzmarktaufsicht prüft nun auch der Staatsanwalt die Meinl-Affäre.

Beim Meinl war die Hölle los. Zu Wochenbeginn demonstrierten aufgebrachte Anleger vor dem Sitz der Meinl Success Finanz AG in der Wiener Jasomirgottstraße 6 gegen die seit knapp zwei Wochen anhaltende Talfahrt der börsennotierten Aktienzertifikate Meinl Airport International (MAI), Meinl European Land (MEL) und Meinl International Power (MIP).

Einigen von ihnen war die MEL etwa als mündelsicheres Papier schmackhaft gemacht worden. Nach dem dramatischen Kurssturz (siehe Grafik, Seite 17) sei das ein glatte Lüge gewesen, empört sich MEL-Aktionärin Olga P. gegenüber FORMAT. Einen Häuserblock entfernt, in der Zentrale der Success-Mutter Meinl Bank am Bauernmarkt 2, herrschte ebenfalls Ausnahmezustand – diesmal aber innerhalb des Hauses: Ein Sonderkommando der Finanzmarktaufsicht (FMA) war angerückt, um Computer, Festplatten und Aktenordner zu beschlagnahmen. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde von den Börsenspürnasen markiert, verpackt und ins FMA-Hauptquartier in der Praterstraße verfrachtet. Untersucht wird, ob es rund um die Transaktionen mit MEL-Aktien zu Marktmanipulation und Insiderhandel sowie zu Verstößen gegen das Börsen- und Bankwesengesetz kam. Gemeinsam mit der Nationalbank (OeNB) sollen im Rahmen einer Vor-Ort-Prüfung – ähnlich wie bei Bawag und Hypo Alpe-Adria im Vorjahr – auch andere Geschäftsbereiche durchleuchtet werden. Der letzte OeNB-Check lag immerhin zehn Jahre zurück. FMA-Sprecher Klaus Grubelnik knapp: „Wir prüfen alles sehr genau.“

Nicht nur FMA und OeNB sitzen Meinl im Nacken. Der Fall des „Licenciaten“ – wie der 48-jährige Clanchef Julius V. genannt wird – könnte schon bald die Gerichte beschäftigen. Vom Bregenzer Wald bis zum Neusiedler See schließen sich immer mehr Kleinanleger zusammen, um gegen Meinl Bank und Co zu prozessieren. Vertreten werden sie von hartgesottenen Rechtsanwälten, die nur ein Ziel haben: Gesetzesverletzungen der Meinl-Gruppe nachzuweisen und darauf dann millionenschwere Sammelklagen aufzubauen.

Zudem ist die Causa Meinl seit Dienstag unter der Aktenzahl 6 St 358/07t zum Justizfall geworden. „Wir prüfen eine An-zeige gegen Herrn Meinl“, sagt Staatsanwalt Gerhard Jarosch: „Der Akt liegt bei Gruppenleiter Karl Schober. Ein Staatsanwalt aus der Wirtschaftsgruppe wird sich darum kümmern.“ Die vor zwei Wochen mit Bekanntmachung mysteriöser Aktienrückkäufe gestartete Börsenaffäre entwickelt sich so zunehmend zum lupenreinen Wirtschaftskrimi.

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