Affäre Grasser: Krach in der Kristallwelt

Affäre Grasser: Krach in der Kristallwelt

Fiona Pacifico Griffini-Grasser und Karl-Heinz Grasser aus ganz glücklichen Tagen.

Taktischer Schwenk in der Strafsache Karl-Heinz Grasser. Der Staatsanwalt pusht nun mit Unterstützung von Grassers Ex-Steuerberater eine Anklage im Finanzstrafverfahren.

Im Hintergrund lief eine Videokamera mit. In der Mitte von Saal 211 des Wiener Straflandesgerichts saß Peter Haunold und blickte auf Philipp Krasa, Haft- und Rechtsschutzrichter in der Strafsache Karl-Heinz Grasser (KHG). Oberstaatsanwalt Gerald Denk hatte das Treffen arrangiert. Im Beisein von KHG-Anwalt Manfred Ainedter sollte Grassers ehemaliger Steuerberater kontradiktorisch einvernommen werden - und gegen KHG auspacken.

Nach zwei Stunden war das prickelnde Frage-Antwort-Spiel beendet. Denk strahlte über beide Ohren. Ainedter blieb die Spucke weg. Und Krasa war fassungslos, als er die Kamera abdrehte. Die Geschichte über den österreichischen Finanzminister, der über Stiftungen in Liechtenstein Steuern sparen wollte und dann erwischt wurde, bleibt ein Hammer - und für den Staatsanwalt eine gewerbsmäßige Steuerhinterziehung, die er anklagen will. FORMAT berichtet exklusiv in Ausgabe 20/2015. Das ePaper finden Sie hier zum Download.

Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ändert nun in der Causa um den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP ihre Taktik. Die Ermittler pushen nun eine Anklage im Finanzstrafverfahren - mit Unterstützung von Grassers ehemaligem Steuerberater Peter Haunold.

Neuer Zeuge der Anklage

"Haunold ist der neue Zeuge der Anklage", wird ein nicht namentlich genannter Prozessteilnehmer zitiert, der bei der kontradiktorischen Einvernahme von Haunold anwesend war.

Haunold hatte dabei Grasser schwer belastet. Der frühere Finanzminister soll Millionenprovisionen, die er für seine Meinl-Tätigkeit erhalten hat, in Liechtenstein versteckt gehalten haben, um in Österreich keine Steuern zahlen zu müssen. Grasser hat stets vehement dementiert, Gesetze gebrochen zu haben.

Das Haunold-Verhör ist ein Beleg für die neue Stoßrichtung der Staatsanwälte. Denn Haunold unterliegt als Steuerberater der Verschwiegenheitspflicht und darf ohne das Okay von Grasser nicht aussagen. Die kontradiktorische Einvernahme löse das Dilemma, das Video dürfe nämlich sehr wohl als Beweismittel in der Hauptverhandlung vorgespielt werden. Grasser hat Haunold nicht von der Verschwiegenheit entbunden.

Bei dem Verhör "war spürbar, dass Haunold als Kronzeuge der Anklage aufgebaut werden soll", sagte Grassers Anwalt Manfred Ainedter am Donnerstag auf APA-Anfrage. "Wir werden dazu noch eine umfangreiche Stellungnahme machen und durch Urkunden belegen, dass Haunolds Angaben unrichtig waren."

Grasser und der Schweizer Treuhänder Norbert Wicki sind mit ihren Einsprüchen gegen die Arbeit der WKStA am 3. bzw. 16 März abgeblitzt. Grasser soll 44 Zeugen genannt haben, die beweisen sollen, dass er keine Buwog-Provisionen kassiert hat. Grasser hat nun Rechtsmittel eingebracht. Das Oberlandesgericht (OLG) ist nun am Zug.

Die Rolle der Schwiegermama

Wicki macht Stimmung gegen Grassers Schwiegermutter Marina Giori-Lhota. Er hat der Justiz mitgeteilt, dass er ein "Dossier" besitze, das ihn entlaste und Giori-Lhota belasten soll. Wicki wirft Grassers Schwiegermutter vor, gegenüber der Finanz nicht aufrichtig gewesen zu sein und rege sogar Zwangsmaßnahmen an.

Giori-Lhota hatte 2011 gegenüber dem Finanzamt Innsbruck bestritten, hinter den Briefkastenfirmen Ferint und Mandarin zu stehen. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass zahlreiche Grasser-Provisionen aus Buwog, Terminal Tower - da ging es um die Einmietung oberösterreichischer Finanzämter in einen Linzer Büroturm - und anderen Deals auf diesen Depots gelandet sein sollen.

Lesen Sie weiter:

=> Affäre Grasser: Razzia in Ibiza
=> Karl-Heinz Grasser - Der Tatplan
=> Affäre Grasser - Bestechungszahlung deponiert
=> KHG und das Buwog-Gutachten - " Täuschung durch unwahre Angaben“

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