Affäre Grasser: Geschäfte unter Freunden

Laut neuen Dokumenten sollte in der Homepage-Affäre noch mehr Geld an Grassers Freunde fließen. Wer nun wirklich wie viel Geld bekam.

Sie ist die umstrittenste Homepage des Landes, temporär vielleicht sogar die meistzitierte, und doch: Wer in diesen Tagen auf www.karlheinzgrasser.at surft, wird wenig Neues erfahren. Die Texte, die auf der Homepage bei FORMAT-Redaktionsschluss Mittwochabend nachzulesen waren, wurden schon seit mehr als einer Woche nicht mehr aktualisiert. Andererseits ist das auch nicht weiter verwunderlich: Für die Texte auf dieser Site zeichnet Matthias Winkler verantwortlich, der Obmann des Vereins zur Förderung der New Economy und Kabinettschef von Finanzminister Karl- Heinz Grasser. Und der hat zurzeit wirklich anderes zu tun.

Winkler muss viele Fragen beantworten. Finanz und Staatsanwaltschaft interessieren sich für ihn und seinen ominösen Homepage-Verein, seit vergangenem Wochenende will auch der Rechnungshof die Affäre prüfen.

Was all diese Stellen zu prüfen haben, wird anhand neuer brisanter Dokumente, die FORMAT vorliegen, klar: Hinter der Erstellung der Homepage mit Geldern der Industriellenvereinigung verbirgt sich ein Netzwerk guter und sehr guter Freunde von Grasser und Winkler, denen gut dotierte Aufträge erteilt wurden. Zwar gab es offiziell zwei Firmen, die als Generalunternehmer für die Erstellung der Homepage verantwortlich waren – zuerst die Firma FirstInEx von Grassers Schulfreund Dieter Jandl, danach die Firma maRtrix vom Grasser-Bekannten Peter Hochegger. Doch diese vergaben Aufträge an Subunternehmer weiter, die wiederum von Matthias Winkler nominiert wurden. Das wird in Akten bestätigt, die FORMAT und der Staatsanwaltschaft vorliegen.

Neuer Vertrag. In einem bisher unbekannten Vertrag zwischen dem Verein zur Förderung der New Economy und FirstInEx von 28. März 2001, in dem nicht
die Erstellung, sondern der Betrieb der Homepage geregelt war, heißt es wörtlich: „FirstInEx wird zur Erbringung der Dienstleistungen Sublieferanten einbinden. Diese Sublieferanten werden einvernehmlich mit dem Verein ausgesucht, daher haftet FirstInEx nicht für mangelhafte Leistungen der Subunternehmer“.

Aus dem Geschäftsdeutschen übersetzt bedeutet das nur eines: FirstInEx konnte die Subunternehmer nicht aussuchen, durfte daher von Winkler aber auch nicht für eventuelle Versäumnisse dieser Lieferanten belangt werden. Wichtigster Sublieferant in diesem Konzept war die zehnvierzig Werbeagentur von Grasser-Freund Walter Meischberger, der für die „inhaltlich-kreative Beratung“ zuständig war. Diese Firma kassierte für die Homepage rund 25.500 Euro.

In dem neu aufgetauchten Vertrag zwischen Verein und FirstInEx sind freilich auch noch fünf so genannte „Teilleistungen“ festgelegt, die die FirstInEx nach Inbetriebnahme der Homepage erbringen sollte.
Teilleistung eins ist dabei die „Umsetzung von Inhalten nach Produktivsetzung der Website“: „Die Leistung wird erbracht durch Übernahme von Inhalten von Contentzulieferern und Umsetzung durch Einbringung ins und Liveschaltung im Content-Management-System der Website.“ Heißt im Klartext: FirstInEx sollte während des laufenden Betriebs Texte und Fotos für die Seite zukaufen. Kosten: „Der Gesamtpreis für die gegenständliche Teilleistung beträgt ATS 12.000 pro Monat.“

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
PLUS: Neue Dokumente: Homepage sollte noch teurer werden
PLUS: Das Homepage-Netzwerk: Das ausgeklügelte System von Winklers New-Economy-Verein
PLUS: Im Visier der Fahnder: Wer in der Affäre Grasser gegen wen ermittelt
PLUS: ÖVP und die Causa Grasser: Einer für alle, alle für einen

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller und der "Sedric", der vollelektrisch und autonom fahrende Minivan.

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