Abwarten und Durchhalten als plausible Devise

Ex-Bawag-Chef Johann Zwettler bekannte sich am 53. Prozesstag ebenso teilweise schuldig wie tags darauf Ex-Aufsichtsratschef Günter Weninger.

Ein Geständnis ist der wichtigste Strafmilderungsgrund. Für die weiteren Angeklagten wird es eng. Es Zwettler und Weninger nachmachen, um selbst besser wegzukommen? Wenn alle standhaft leugnen würden, bliebe das Ergebnis schwerer absehbar. Abwarten und Durchhalten wäre eine plausible Devise. So aber hat ausgerechnet der Elsner-Nachfolger als Vorstandsvorsitzender den Bann gebrochen und Schuld eingestanden. Da wird es – selbst für Nebenakteure – noch schwieriger, sich abzugrenzen.

Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung. Allerdings muss auch jeder Betroffene selbst die voraussichtliche Entwicklung abschätzen. Wer für sich nicht (mehr) auf einen Freispruch tippt, kann sich ausrechnen, dass er neben einem reumütigen Zwettler – zumindest in der Relation dazu – schlechter wegkommen wird, wenn er nicht auch selbst Schuld einbekennt. Und je früher die Einsicht kommt, desto größer ist vermutlich in praxi der Strafmilderungsbonus.

Haben wir also ein Rennen um die besten Plätze für ein mildes Urteil vor uns? Wohl kaum. Der durchschnittliche Angeklagte wird einen Beitrag seinerseits weiterhin nicht sehen und dem Eindruck erliegen, nicht informiert gewesen zu sein. Die Hoffnung stirbt – auch zum aktuellen Zeitpunkt noch – zuletzt.

Johann Zwettler hat den anderen ohnehin bereits die Schau gestohlen. Dass die Erklärung mit dem Kalkül einer milden Beurteilung erfolgte, ist legitim. Zwettler nimmt man die Einsicht auch ab. Wenn andere wie nun Günter Weninger ihm nachfolgen, verbessert das die Position von Zwettler weiter, weil er den ersten Schritt setzte, gleichsam der Auslöser war.

Dem Hauptangeklagten fügt die Erklärung Johann Zwettlers Schaden zu, ohne ihm viel Spielraum für ein ebensolches Manöver zu geben. Ihm hätte es wahrscheinlich merklich geholfen, wenn er als Erster Schuld zugegeben hätte. Zu spät – diese Option ist nun ausgelaufen.

Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess mit der E-Auto-Studie "Vizzion"

Auto & Mobilität

Eine ID für alle: Volkswagens neue Elektroauto-Plattform

Advertorial
Greiner Perfoam, Enns, AT

Home

Digitalisierung bei Greiner - eine Erfolgsgeschichte

Immobilien

Wer Österreichs Luxusimmobilien kauft