Absprung in Bodennähe: Das schwere Erbe nach Rücktritt von AUA-Chef Vagn Sørensen

Das Ausscheiden von Vagn Sørensen trifft die Austrian in einer Zeit höchster Bedrängnis. Die Aufgabe für Sørensens Nachfolger: das nackte Überleben der Airline zu sichern.

Gerade hat Vagn Sørensen den dritten Jahrgang seines Grünen Veltliners eingebracht. Seit er in Wien lebt, um hier die Austrian Group zu lenken, hat der Däne die Liebe zum Wein entdeckt. Er legte sich ein schmuckes Weingarterl samt Winzerhaus in Grinzing zu und verfeinerte von Jahr zu Jahr seine önologischen Fertigkeiten. Rund 100 Bouteillen pro Saison geben seine Rebstöcke her, zum eigenen Genuss und für Freunde bestimmt. „Mein dritter Jahrgang ist der beste“, stellt Sørensen mit Kennermiene fest. „So höre ich wenigstens am Höhepunkt auf.“

Für seinen Brotberuf gilt das leider nicht. Die Zeit des Triumphes, als der von der SAS geholte Manager die österreichische Nationalairline in relativ kurzer Zeit hochreißen und einige Zeit trotz Turbulenzen stabil halten konnte, liegt ein paar Jahre zurück. Mittlerweile befindet sich die Austrian wieder in bedrohlicher Schieflage. Sørensen, 45, hat verlautbart, seinen Vertrag nicht mehr zu verlängern: ein Absprung nicht am Höhepunkt, sondern in Bodennähe – der freilich weniger für den Noch-General als für die Airline gefährlich ist. Eine straffe Führung wäre für das Unternehmen gerade jetzt lebenswichtig.

Irgendwann zwischen April und dem 30. September 2006 wird der Kapitän ausscheiden. Er versichert zwar: „Ich werde beweisen, dass ich bis zum letzten Tag der Chef bin.“ In der Belegschaft überwiegt aber Skepsis. Betriebsratsobmann Alfred Junghans: „Wir haben Sørensen schon seit einem halben Jahr nicht mehr wahrgenommen. Die Freude, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist, übertrifft das Bedauern über seinen Abschied.“

Bis Ende März 2006 soll der Nachfolger feststehen. Flugunternehmer Niki Lauda prophezeit dem Erzrivalen „eine Zeit des absoluten Stillstands und des Machtkampfes um die Nachfolge. Sørensen verschwindet zu einem Zeitpunkt, wo er am dringendsten gebraucht würde.“

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