Zumtobel mit weniger Häuptlingen, mehr Ruhe und Leuchtzeichen

Zumtobel mit weniger Häuptlingen, mehr Ruhe und Leuchtzeichen

Alfred Felder will bis Juni ein detailliertes Strategiepapier präsentieren, um Zumtobel wieder richtig zum Lleuchten zu bringen.

Der Vorarlberger Leuchtenkonzern Zumtobel verordnet sich eine Schlankheitskur - im Management. Im Vertrieb soll es eher zu Neueinstellungen kommen. Nach personellen Turbulenzen soll nun in der Führungsebene wieder Ruhe einkehren.

Dornbirn. Einen turbulenten Herbst, der bis in den Februar hineingereicht hat, liegt hinter dem Zumtobel-Konzern. Nachdem CEO Ulrich Schumacher nach gröberen Unstimmigkeiten mit den Aktionärsvertretern sowie der Zumtobel-Familie abgesetzt wurde, soll nun beim börsenotierten Vorarlberger Leuchtenkonzern vieles anders werden. Der Rotstift wird zunächst beim Management angesetzt werden. Mit stark verschlankter Managementstruktur soll der Neustart gelingen.

Die erste Managementebene wird künftig lediglich zehn bis zwölf anstatt wie zuletzt 45 Personen umfassen, erklärte der neue Vorstandsvorsitzende Alfred Felder der APA. Felder hatte im Februar die Leitung übernommen. Zuvor war er Vertriebsvorstand und bis Oktober 2017 als Chief Operating Officer (COO) im Top-Management. Bis Juni will der 54jährige Felder den Leuchtenkonzern neu aufgestellt haben. Die Geschäftsstrategie will der der Doktor der Elektrotechnik dann im Detail präsentieren. Felder ist seit 2012 bei Zumtobel. Ulrich Schumacher war bei Zumtobel im Herbst in Ungnade gefallen. Der langjährige Infineon-Vorstandschef wurde im Okotber 2013 zum Vorstandschef des Leuchtenkonzerns bestellt.

Das Geschäft des renommierten Leuchtenkonzerns lief zuletzt laut Neo-CEO Felder "holprig". Zwei Gewinnwarnungen in den vergangenen drei Quartalen haben dies eindeutig belegt. Für das Gesamtjahr 2017/18 (per 30. April) wird bei einem Umsatzrückgang von 8 Prozent noch ein operatives Ergebnis (bereinigtes EBIT) von 15 bis 25 Mio. Euro angestrebt.

In einem ersten Schritt gehe es nun darum, das Geschäft zu stabilisieren, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und die Kundenausrichtung besser zu leben. "Wir arbeiten sowohl an der Ankurbelung des Umsatzes als auch an der Kostenseite", sagte Felder. Dazu gehört auch, "dass wir uns auf der Managementebene deutlich schlanker aufstellen werden als in der Vergangenheit". Zuletzt habe es 45 Manager in direkter Reporting-Linie zum Vorstand gegeben - viel zu komplex und zu teuer. "Wir wurden ineffizient und langsam in der Entscheidungsfindung", stellte Felder fest.

In die zweite Reihe zurücktreten

So soll es neben dem Vorstand - bestehend aus Felder, COO Bernard Motzko (seit 1. Februar) und CFO Thomas Tschol (ab 1. April) - nur noch zehn bis zwölf Leute auf der ersten Managementebene geben. Die Betroffenen müssen in die zweite Reihe zurücktreten, bestimmte Funktionen wird es laut Felder auch nicht mehr geben: "Ein Dutzend Gespräche wurde schon geführt", so Felder. Die "Gesundschrumpfung" soll bis Ende März in die Wege geleitet bzw. abgeschlossen sein.

Eile sei geboten, weil die neue Mannschaft schließlich die nächste Phase einleiten und Antwort auf die Frage "Wie stellen wir uns auf?" geben müsse. Dabei werde man alles genau unter die Lupe nehmen - die Märkte, die Geschäftsfelder, die Investitionen. Im Juni soll ein diesbezüglicher Plan vorliegen, "das erwarten auch die Analysten", sagte Felder. Er betonte allerdings auch, dass die Verschlankung auf der Managementebene nicht mit einer Personalreduzierung auf unterer Ebene einhergehen werde. Im Gegenteil: In Bereichen, in denen man noch näher am Kunden sein, Umsatz generieren und Potenziale heben könne, werde man "eher noch Leute aufbauen", sagt Geschäftsführer Felder.

Die Lösung macht's

Wie viele andere Branchen befinde sich die Beleuchtungsindustrie in einer disruptiven Phase. "Es geht nicht mehr nur um Hardware, die produziert wird, sondern um eine Lichtlösung", erklärte Felder. Das Geschäft erlebe eine sehr starke Verzahnung mit der Software-Programmierung. "Es ist der Wechsel von einer alten zu einer neuen Lichtquelle", sprach Felder die LED-Technik an. Der LED-Anteil am Gesamtgeschäft liegt bei Zumtobel bei mittlerweile über 80 Prozent, 2012 waren es noch 12 Prozent gewesen.

Der Markt werde auch in nächster Zeit nicht explodieren, Felder hält es aber für realistisch, "ein Geschäft zu generieren, das nachhaltig vernünftige Margen im hohen einstelligen Bereich bringt". Die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat - unter Schumacher hatte es diesbezüglich zuletzt einige Turbulenzen gegeben - bezeichnete Felder als sehr kooperativ. "Wenn die Zahlen wieder stimmen, ist das Schnee von gestern", blickte Felder in die Zukunft, auch in die eigene. Sein Vertrag laufe zwar nur bis 30. April 2019, "ich werde es dem Aufsichtsrat aber schwer machen, jemand anderen zu suchen", gab er sich optimistisch.

Dass in der jüngeren Vergangenheit die Zahlen nicht den Erwartungen entsprachen, führte Felder sowohl auf Marktgegebenheiten als auch auf interne Gründe zurück. In Bezug auf die Märkte sagte Felder, dass nicht die Anzahl der verkauften Lichtpunkte das Problem sei - diesbezüglich liege man gut. Durch die Preiserosion im Bereich der LED-Technik müsse man aber wesentlich mehr Lichtpunkte auf den Markt bringen, um dieselben Umsätze zu erzielen wie früher.

Der Brexit wird Umsatzkiller

Zudem haben die Brexit-Diskussion und die damit einhergehende Schwäche des Pfunds Zumtobel fast ein Viertel des Umsatzes auf der Insel gekostet. "Da wurden wir kalt erwischt", so Felder. Das im Jahr 2000 von Zumtobel übernommene Lichtunternehmen Thorn - neben Zumtobel die zweite große Marke im Leuchtensegment des Konzerns - stammt aus Großbritannien.

Der neue Zumtobel-CEO räumte aber auch ein, dass intern Themen nicht richtig adressiert worden seien. Bei der Zusammenführung von Standorten in eine zentrale Lagerhalle in Memmingen (Bayern) habe man Prozesse nicht richtig im Griff gehabt, große Anlaufschwierigkeiten seien die Folge gewesen. "Da haben wir uns nicht sehr kundenorientiert verhalten", gab sich Felder für das Unternehmen selbstkritisch. Wenn es gelinge, die internen Probleme zu lösen, "schauen die Zahlen in ein paar Quartalen wieder deutlich besser aus", zeigte sich Felder überzeugt.

Sell it

Die Zumtobel-Aktie hat im vergangenen Jahr rund xx Porzent an Wert verloren. Mit heutigem Datum notiert das Papier bei 8,20 Euro. Die Gründerfamilie Zumtobel, die via Aufsichtsrats-Chef Jürg Zumtobel maßgebend das Sagen bei den Aktionären hat, hält an dem Leuchtenkonzern 35,5 Prozent der Aktien. Die Lazard Freres Gestion SAS und Erste Asset Management GmbH sind mit über 4 Prozent beteiligt. Die verbleibenden rund 55 Prozent der Zumtobl-Aktien sind in Streubesitz. LAut Zumtobel soll das Gros der Steubesitz-Aktien von institutionellen Anlegern gehalten werden.

Die Analysten der Berenberg Bank haben für die Aktien des Beleuchtungsspezialisten Zumtobel sowohl die Verkaufsempfehlung "Sell" als auch das Kursziel von 8,0 Euro bestätigt.

Die jüngsten Drittquartalszahlen wurden beim Umsatzausweis im Rahmen der Erwartungen bewertet, schreibt die Berenberg-Expertin Charlotte Friedrichs. Das Betriebsergebnis hatte moderat positiv überrascht.

Für das laufende Geschäftsjahr werde von der Berenberg Bank wegen zusätzlichen Restrukturierungskosten aber nun keine Dividendenausschüttung mehr erwartet. Die Bestätigung des "Sell"-Votums wurde zudem mit der Unsicherheit über die Zukunftsstrategie des Unternehmens und der fortgesetzten "underperformance" der Aktie begründet.

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