Zukunftsvorsorge: „Mangelnde Reform ist ein Versagen der Politik“

1,5 Millionen Österreicher, die vor Jahren eine staatliche geförderte Pensionsvorsorge abgeschlossen haben, stecken in einem vielfach ungeliebten Produkt mit magerer Rendite fest – der Zukunftsvorsorge. Mit welchen Ideen Experten, die ins Stocken geratene Reform der Regierung für die private Vorsorge, beim wieder attraktiv machen wollen.

Das staatliche geförderte Konzept zur privaten Altersvorsorge, die Zukunftspenison, ist de facto gescheitert. Entscheidende Verbesserungen sind bisher ausgeblieben.

Das staatliche geförderte Konzept zur privaten Altersvorsorge ist de facto gescheitert. Entscheidende Verbesserungen sind bisher ausgeblieben.

Vorschläge über die Reform der Zukunftsvorsorge sind seit langem von der Finanzbranche gefordert, haben aber bisher im Finanzministeriums keinen Anklang gefunden. Die staatlich geförderte Vorsorge war einst die große Hoffnung vieler, die sich für die Pension einen finanziellen Zusatzpolster schaffen wollten. Doch strenge Vorgaben wie 100-prozentige Kapitalgarantie für ein Aktieninvestment zwischen 15 und 30 Prozent Prozent und die teilweise Beschränkung auf den österreichischen Aktienmarkt und niedrige Anleihezinsen haben das Produkt, bis auf wenige Ausnahmen, unattraktiv gemacht. Der jährliche Ertrag liegt im Median im Schnitt bei überschaubaren 0,7 Prozent. Hat man mit dem Anbieter Pech, ist es sogar noch weniger. „Im Wesentlichen erhalten die Einzahler nach Ablauf der Behaltefrist das zurück, was sie einbezahlt haben“, bringt es Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforum, der Vertreter von Versicherungen, Pensionskassen, Fondsanbietern und Arbeiterkammer zum Expertengespräch zum Thema Zukunftsvorsorge geladen hatte, auf den Punkt.

„Versagen der Politik“

Viele Anbieter, die 2003 beim Start der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge dabei waren, sind längst ausgestiegen. So etwa die Allianz, die Uniqa und viele kleinere Versicherungen wie die Helvetia und die Nürnberger Versicherung. In den nächsten Monaten verabschiedet sich auch die Grazer Wechselseitige aus dem Neugeschäft, was auch acht andere Versicherungen, die das Know-how von der Wechselseitigen zugekauft haben, vor Probleme stellen dürfte. „Dass über die Reform der Zukunftsvorsorge nicht diskutiert wird, ist ein Versagen der Politik“, ärgert sich Finanzprodukte-Spezialist Kwauka. Die Novelle der Zukunftsvorsorge ist zwar erst drei Jahre alt, die von der Branche geforderten Änderungen hat diese aber nicht im nötigen Maße gebracht. Die Zukunftsvorsorge sei nach wie vor ungerecht und starr.

Wer die Zukunftsvorsorge noch anbietet

Doch das einst als Basis-Vorsorgeprodukt für die Pension konzipierte Produkt wird ohnehin kaum noch nachgefragt. Wer dennoch eine Zukunftsvorsorge haben will, „muss schon genau wissen, welche Anbieter es überhaupt noch gibt“, resümiert Kwauka. Derzeit bieten unter anderem die s-Versicherung, die Generali, die Wiener Städtische, die Ergo Versicherung und Wüstenrot noch eine Zukunftsvorsorge an.

Soll Kapitalgarantie weiter verpflichtend sein?

Eine der Hauptforderungen der Expertenrunde: Die Kapitalgarantie, bisher eine Voraussetzung für die Zukunftsvorsorge, soll wegfallen. Heinz Bednar, Präsident des Fondsverbands VÖIG und Chef der Fondsgesellschaft Erste-Sparinvest, plädiert jedoch dafür jedem die Wahl zu lassen. „Kapitalgarantie sollte keine Pflicht sein. Jeder Anleger ist mündig genug, um das selbst entscheiden zu können“, so sein Argument. Zumal ein höherer Aktienanteil auch teurer in der Absicherung ist. Doch Robert Lasshofer, Generaldirektor der Wiener Städtischen, will auf eine Kapitalgarantie nicht verzichten: „Private Zukunftsvorsorge muss berechenbar sein.“

Forderung: Vorsorgekonto soll Anlegern mehr Flexibilität geben

Die Zukunftsvorsorge darf sowohl von Versicherungen, Mitarbeitervorsorgekassen und Fondsgesellschaften gemanagt werden. Doch neben zahlreichen Versicherungen sind auch die meisten Fondsgesellschaften aus diesem Geschäft längst ausgestiegen. Die Fondsgesellschaften haben vielfach wegen der Kapitalgarantie, die das Produkt für Anleger unattraktiv machte, die Reißleine gezogen.
Einig sind sich die Experten, dass das Produkt zu wenig flexibel ist und das Anlagekorsett zu eng. „Die Kapitalveranlagung für die Pension sollte jeder selbst gestalten können“, fordert Fondsverbandschef Bednar. Er plädiert nun, neben der Zukunftsvorsorge, für zusätzliche, flexiblere Möglichkeiten, privat vorzusorgen und spricht sich für ein sogenanntes Vorsorgekonto aus. Unter dem Mantel des Vorsorgekonto soll es jedem möglich sein, individuell nach seinen Vorstellungen für die Pension anzusparen. So könnten Anleger beim Vorsorgekonto einen Bausparvertrag abschließen, mit dem sie für die Pension ansparen, in Fonds investieren oder in Versicherungsprodukte veranlagen oder von jedem Bereich etwas auswählen. Bednar: "So wäre die nötige flexible Veranlagung gegeben." Der Verbandschef hält dafür auch keine umfangreiche staatliche Unterstützung für nötig. "Um das Vorsorgekonto attraktiv zu machen, würde die KESt-Befreiung reichen." Einzige Einschränkung: „Nur wenn das angesparte Kapital nicht widmungsgemäß, also für die Pension, verwendet wird oder man frühzeitig aussteigt, sollte dieses nachversteuert werden müssen. Städtische-Vorstand Lasshofer sieht den Vorschlag kritisch: „Ein wichtiger Punkt bei der Zukunftsvorsorge ist die regelmäßige Auszahlung in Form einer Rente. Das machen Versicherungen. Schichtet man das angesparte Geld nach der Ansparphase für die Verrentung in eine Versicherung um, ist das mit zusätzlichen Kosten verbunden.“

Anleger sollen in geförderte Wohnungen investieren können

Städtische-Chef Lasshofer setzt sich, ebenso wie Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen und Chef der VBV-Pensionskasse, dafür ein, dass das Sparkapital von den Gesellschaften neben Anleihen und europäischen Aktien auch für die Schaffung von gefördertem Wohnraum verwendet werden darf. Investments in die Börse Wien mit Kapitalgarantie sieht Bednar kritisch: „Die Börse ist aufgrund seiner geringen Marktkapitalisierung schwankungsanfällig, die Kapitalabsicherung entsprechend teuer.“ Das Problem: Lange waren bei der Zukunftsvorsorge praktisch nur Aktien-Investments in die Wiener Börse erlaubt, die in der Finanzkrise große Verluste verursachten. Heute wird diese Konzentration auf Österreich-Aktien zwar flexibler gehandhabt, verursacht aber immer noch hohe Kosten der Absicherung. Das schmälert den ohnehin mageren Ertrag.

Geringe Förderung kritisiert

Derzeit schafft die Politik in Punkto Altersvorsorge eine Zweiklassen-Gesellschaft. Nur Beamte und ASVG-Angestellte können in den Genuss von steuerlich abzugsfähigen Pensionskassen-Beiträgen für bis zu zehn Prozent des Gehaltes kommen. Freiberufler und andere Selbstständige wie Besitzer und Lenker von Firmen sind beispielsweise ausgeschlossen. Nur deren angestellte Mitarbeiter haben die Chance auf eine staatlich begünstigte zweite Vorsorgesäule. Zakostelsky, Obmann der Pensionskassen: „Das muss sich ändern. Jeder, der berufstätig ist, sollte die Möglichkeit haben, in eine staatliche geförderte Pensionsvorsorge einzahlen zu können.“

10 Prozent der Lohnsumme sollen für die Pensionsvorsorge für alle absetzbar sein

Die österreichische Finanzwirtschaft ist, wenn es um Forderungen an die Politik geht, aber bescheiden. Sie forderten anlässlich des Expertenforum, alle dass Arbeitnehmer zehn Prozent der Lohnsumme steuerfrei in die prämien- beziehungsweise steuerbegünstigte Altersvorsorge investieren dürfen. Derzeit ist das zwar bereits möglich, aber nicht für jeden arbeitenden Österreicher. Nur 23 Prozent aller Arbeitnehmer, nämlich alle Beamten und ein relativ kleiner Teil der ASVG-Bediensteten, können diese betriebliche Vorsorge überhaupt in Anspruch nehmen. Alle anderen gehen leer aus. „Unser Ziel ist es, dass alle Arbeitnehmer die Pensionskassen nützen dürfen“, so Pensionskassen-Obmann Zakostelsky. Das Ausmaß der Zurückhaltung der Finanzbranche wird am Beispiel der Schweiz sichtbar. Dort können Arbeitnehmer jährlich bis zu einer Veranlagung von rund 31.000 Euro ihr Geld als einkommensteuerfrei für eine Pensionsvorsorge veranlagen, sofern sie nicht bereits in einer Pensionskasse veranlagt sind. Ansonsten sind es immerhin noch rund 6.200 Euro. In Österreich muss man dagegen die Beiträge für die Zukunftsvorsorge aus dem versteuerten Einkommen bezahlen und bekommt 2016 nur eine Prämie von maximal 117 Euro.

So viel Prämie bekommt man derzeit pro Jahr vom Staat
Einzahlungen sind zwar in unbegrenzter Höhe möglich. Eine Förderung wird aber nur bis zu einem Höchstbetrag von 1,53 Prozent des 36fachen der monatlichen ASVG-Höchst-beitragsgrundlage gewährt. Die höchstmögliche prämienbegünstigte Einzahlung beträgt für heuer 2.676,89 Euro. Die höchstmögliche staatliche Prämie beträgt somit dieses Jahr 113,77.

Die Kapitalerträge der Zukunftsvorsorge sind steuerfrei. Es fällt auch keine Einkommen-, Erbschafts- oder Versicherungssteuern an. Auch der Bezug der Rente ist einkommensteuerfrei.

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