Zoom stiehlt Pinterest die Show zum Börsendebüt

Zoom stiehlt Pinterest die Show zum Börsendebüt

Der Videodienst Zoom mit CEO Eric S. Yuan hat an der Nasdaq am Time Square in New York Pinterest die Show gestohlen, das einige Meilen südlicher in Manhattan an der NYSE in der Wall Street ebenso ein erfolgreiches Börsendebüt feiern konnte.

Mit der Foto-Internetplattform Pinterest sowie dem Videodienst Zoom hatten vor Ostern gleich zwei Internetcompanys ihr Börsendebüt. Die Nachfrage nach den Pinterest-Papieren war im Finish vor dem Börsengang schon kräftig gestiegen. Das bessere und fulminantere Debüt hatte aber der nur bei Profis bekannte Videodienst Zoom hingelegt.

Zwei Companys aus der Social Media-Szene, Pinterest und Zoom, haben am Donnerstag ihr Börsendebüt an den New Yorker Stock Exchange (NYSE) sowie an der Technologiebörse Nasdaq gegeben. Die Unternehmensvertreter und daran beteiligten Banken und Finanzdienstleister können zwar damit zufrieden sein. Und haben einen guten Schnitt gemacht. Aber es gibt doch einen wesentlichen Unterschied, warum ausgerechnet Zoom die Überraschung glückte und eine noch größere Beachtung bei den Investoren an der Börse bekommen hatte, als der vermeintlich Star Pinterest.

Zoom konnte zum Börsendebüt an der New Yorker Technologiebörse den Einstandskurs von 65 Dollar gleich um 80 Prozent über den Ausgabepreis übertreffen. Der Börsenwert des Videodienstes aus San Francisco mit dem Börsenkürzel ZM ist somit am ersten Tag der Börsenotierung auf nicht erwartete 16,7 Milliarden Dollar gestiegen. Der Ausgabepreise von 36 Dollar hatte unterm Strich eigentlich "nur" eine Gesamtbewertung von 9,2 Milliarden Dollar und somit weniger als Pinterest erwarten lassen. Zoom hatte mit dem Verkauf von 20,9 Millionen Aktien rund 751 Millionen Dollar (668 Millionen Euro) erlösen können.

Die Fotoplattform Pinterest [ISIN US72352L1061] konnte zum Börsendebüt mit einem Höchststand von 23,75 Dollar gut 25 Prozent über dem Ausgabepreis von 19 Dollar zulegen. Der Börsenwert ist am ersten Handelstag zeitweise auf mehr als 12 Mrd. Dollar (10,6 Mrd. Euro) steigen, was auch über den Erwartungen von ursprünglich zehn Milliarden Dollar lag. Doch Zoom hatte überraschend mehr Zuspruch und notierte um vier Milliarden Euro höher. Das 2010 in San Francisco gegründete Pinterest sammelte beim Börsengang mit der Ausgabe von 75 Millionen Aktien 1,43 Mrd. Dollar (1,27 Mrd. Euro) dafür doppelt so viel bei den ersten Investoren ein, bevor die Aktien nun an der New Yorker Stock Exchange (NYSE) erstmals notiert wurden.

Pinterest, das mit seinem Fotoalbum seine Erträge hauptsächlich durch Werbung von Unternehmen erzielt und sich selbst als Fotosuchmaschine sieht, hat sich somit per IPO (Initial Public Offering) dringend notwendiges Geld von Kapitalanlegern holen, um einerseits kräftig zu wachsen. Andererseits wollen bisheriger Gründer damit auch erstmals richtig Kasse machen und für Bares im eigenen Geldbörsel sorgen. Gründer und CEO Ben Silbermann hat mit dem IPO 981 Millionen Dollar abkassiert.

Die Börse lügt fast nie

Offenbar haben die Investoren das Geschäftsmodell und das dazu gehörige Geschäftsgebaren von Zoom mehr goutiert als von Pinterest, das mit großem Tamtam samt pinkem Firmenlogo an der Außenfront und im Börsensaal der NYSE gestartet war. Pinterest schreibt neun Jahre nach der Gründung weiterhin satte Verluste, obwohl es mit kräftigen Wachstumszahlen protzt und zuletzt auch die Verluste von dreistellige auf zweistellige Millionenbeträgen verringert hat.

Das Internet-Fotoalbum Pinterest war mit großen Vorschusslorbeeren an die Börse gegangen. Doch mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch bekam der wesentlich unbekanntere Videodienst Zoom.

Die Fotoplattform ist in aller Munde, wächst, und wächst und wächst. Privatpersonen und Unternehmen haben die Social Media-Plattform angeblich entdeckt, um ihr Bildmaterial quasi gratis zur Ansicht ins Netz zustellen. Unternehmen erhoffen sich mit den Bildern eine neue zusätzliche Kommunikationsform aufzuziehen, um die Nutzer auf ihre Webshops zu ziehen oder ihren Bekanntheitsgrad und den der Produkte zu steigern. Die Macht der Pins soll auch Investoren locken, denen man auch große Zahlen liefert. 2018 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 60 Prozent auf mehr als 750 Mio. Dollar. Aber Pinterest verdient kein Geld. Immerhin konnte der Verlust von 130 Millionen auf 63 Mio. Dollar binnen Jahresfrist im Jahr 2018 verringert werden. Ende des Jahres brachte es die Plattform auf 265 Millionen aktive Nutzer.

Beim Videodienst Zoom [ISIN US98980L1017] ist die Lage komplett anders, weil erfolgreicher. Der erst im Jahr 2011 im kalifornischen San José vom Ex-Cisco-Manager Eric Yuan gegründete Videodienst-Anbieter schreibt bereits Gewinne. 2018 hat Zoom das Ergebnis mit einem Gewinn von 7,58 Millionen Dollar abgeliefert. Was nicht zuletzt auch dazu führte, dass der Video-Dienstanbieter kurz vor Börsennotierung bereit mit 9,2 Milliarden Dollar bewertet wurde.

Beobachter werten die Profitabilität des auf Videokonferenzen spezialisierten Start-ups als so positives Zeichen, dass der Handel mit den Zoom-Papieren schon bei der Eröffnung geradezu durch die Decke geschossen ist. Andere Start-ups agieren meiste eher nach dem Schema von Pinterest und versprechen zudem auf Jahre hinaus weder Gewinne noch Dividende.

Drei Milliarden-IPOs ante portas

Für Spannung sorgen auch die folgenden Börsegänge. Fahrdienstvermitter Uber, die Zimmermaklerei Airbnb sowie die IT-Kommunikationscompany Slack wollen in den kommenden an die Börse. Vor allem die ersten zwei Companys wollen Milliarden im höheren zweistelligen Bereich lukrieren und gleichzeitig einen Börsenwert in dreistelliger Höhe anstreben. Der IPO-Rekord von Alibaba könnte dabei sogar fallen. 2014 hatte die chinesische Internet-Handelsplattform zum IPO Aktien verkauft im Wert von 25 Mrd. Dollar. Der Börsenwert schnellte sofort am ersten Tag hinauf in dreistellige Höhe.

Der neue Microsoft-Herausforderer Slack, erst 2013 in San Francisco gegründet, wird sich mit etwas weniger begnügen (müssen). Slacks Debüt wird aber dennoch mit großem Interesse erwartet, weil das von dem Unternehmen entwickelte Produkt durchaus das Zeug dazu hat, als Konkurrent gegen Microsofts Groupware in den Ring zu steigen.

Zuvor waren bereits die Jeans-Ikone Levi's und der Fahrtenvermittler Lyft im März in New York an die Börse gegangen. Beide hatten ebenso geglückte Börsegänge hingelegt. Lyft-Aktien hatten zuletzt aber dennoch kräftig verloren.

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