Zinswende in den USA: Notenbank Fed senkt Leitzins

Fed-Chef Jerome Powell

Fed-Chef Jerome Powell

Die US-Notenbank Fed hat bei der ersten Zinssenkung seit der globalen Finanzkrise 2008 ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Euro fiel nach dem Zinsschritt auf 1,10 Dollar.

Die Federal Reserve Bank, die Notenbank der USA, schaltet wieder auf Krisenmodus und setzt erste geldpolitische Schritte, um Konjunktur der Vereinigten Staaten zu beleben. Am Abend des 31. Juli 2019 hat die Fed den von vielen Seiten bereits erwarteten Zinsschritt vollzogen und ihren Leitzinssatz um 0,25 Prozent auf 2,0 bis 2,25 Prozent gesenkt. Gleichzeitig hat die Bank erklärt, die Drosselung ihres Anleihenprogramms zwei Monate früher als geplant, also schon im August zu beenden.

Die erste Zinssenkung seit Dezember 2008, als die globale Finanzkrise grassierte, ist zu einem Gutteil auf die Politik von US-Präsident Donald Trump zurückzuführen. Unter Trumps Vorgänger Barack Obama hatte sich die Wirtschaft der USA wieder soweit von den Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise erholt, dass die Fed von der Nullzins-Politik abkehren konnte. Noch 2018 hatte die Fed ihren Leitzinssatz vier Mal erhöht.

Schattenseiten der Trumponomics

Die von Trump angezettelten Handelskonflikte haben das positive Momentum jedoch abgewürgt und die Konjunktur der USA wieder ins Stottern gebracht. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, wird als eine besonders starke Konjunkturbremse gesehen.

Trump hingegen hatte die Fed seit Monaten für ihren Kurs kritisiert, immer wieder deutlich niedrigere Zinsen gefordert und die Fed als "völlig ahnungslos" bezeichnet. Nach der Zinssenkung zog er erneut über Fed-Chef Jerome Powell her. Powell habe die USA im Stich gelassen. Die Märkte hätten auf einen langen und aggressiven Zyklus von Zinssenkungen gehofft, der nötig sei, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu stärken.

Der Fed-Chef hat jedoch eine andere Sicht der Dinge. "Die von Handelsfragen bestimmte Unsicherheit war größer als erwartet", begründete er die Zinssenkung. Die Entscheidung sei eine Absicherung um sicherzustellen, dass globale Risiken nicht das weitere Wachstum der US-Wirtschaft bremsen, erklärte Powell. Die Notenbank signalisierte auch die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen. Es gehe darum "angemessen zu handeln", um den seit zehn Jahren anhaltenden Aufschwung der US-Wirtschaft "zu erhalten", sagte Powell. Zudem werde die Bank die Drosselung ihres Anleihenprogramms schon im August beenden, zwei Monate früher als geplant, erklärte die Fed weiter.

Die US-Konjunktur sei weiterhin robust, und es gebe abgesehen von den globalen Gegebenheiten in der kurzen Frist keine Risikofaktoren, sagte Powell. Er machte klar, dass die Zinssenkung wahrscheinlich weder ein alleinstehendes Ereignis noch der Beginn einer "langen Serie von Absenkungen" sein werde. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.


Hintergrund: Leitzinssatz

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für Schuldendienst ausgeben müssen und damit mehr Einkommen zur Verfügung haben.

Entwicklung der Leitzinssätze in den USA und in der Eurozone

Entwicklung der Leitzinssätze in den USA und in der Eurozone

Die US-Arbeitslosenquote lag im Juni bei nur 3,7 Prozent. Das Wachstum der Wirtschaft ist noch robust, verlangsamt sich aber. Die Inflation indes liegt unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Einige Analysten hatten daher argumentiert, es brauche eine größere Zinssenkung um 0,5 Prozent, um Inflation und Wirtschaft anzuheizen.


Die Entscheidung der Fed ist nicht einstimmig gefallen. Esther George und Eric Rosengren, Mitglieder in dem neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss FOMC, stimmten gegen die Zinssenkung. Sie wollten den Leitzins lieber unverändert lassen. Analysten werten das als Zeichen, dass es ohne wirtschaftliche Veränderungen in der nächsten Zeit keine weiteren Zinssenkungen geben wird.

Der Euro fiel nach der Zinsentscheidung der Fed gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren auf bis zu 1,1034 Dollar.Weil auch in Europa mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik gerechnet wird hatte der Euro in den vergangenen Wochen schon bereits deutlich nach. Ende Juni lag der Kurs noch bei mehr als 1,14 Dollar.


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